Mittwoch, 20. März 2019

Seit 1994 Bahn hat 16 Prozent des Schienennetzes aufgegeben

In Hamburg steigen Reisende am Hauptbahnhof in einen ICE nach Berlin ein

Die Deutsche Bahn hat seit der Bahnreform Anfang 1994 bundesweit mehr als 5400 Kilometer ihres Streckennetzes stillgelegt. Das geht aus einer Antwort von Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt.

Demnach sind heute noch gut 33.000 Kilometer in Betrieb. Insgesamt habe der bundeseigene Konzern damit in den vergangenen 25 Jahren etwa 16 Prozent seines gesamten Netzes aufgegeben.

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock kritisierte, ländliche Regionen würden abgehängt. Statt in teure Prestigeprojekte und Logistikprojekte auf anderen Kontinenten müsse die Deutsche Bahn stärker in ihr Kerngeschäft investieren, sagte Baerbock der Zeitung. Entscheidend für die Verkehrswende sei ein breitgefächertes Schienennetz in allen Regionen Deutschlands.

Die Bahn betonte, eine Streckenstilllegung werde nur in Betracht gezogen, wenn es zu wenig Fahrgäste oder Gütertransporte gebe. Das Aus für eine Trasse genehmige das zuständige Eisenbahnbundesamt zudem nur, wenn kein anderer Wettbewerber bereit sei, die Strecke weiter zu betreiben. Die Länder hätten als Besteller von Nahverkehrsleistungen entscheidenden Einfluss darauf, ob eine Strecke stillgelegt werde. Zudem habe der Konzern im gleichen Zeitraum mit neuen Schnelltrassen auf mehr als 1000 Kilometern auch neue Angebote geschaffen.

Konzern mit schwerwiegenden Problemen

Derzeit steht die Deutsche Bahn stark unter Druck. Nach zwei Gewinnwarnungen schrieb Bahn-Chef Richard Lutz im September einen Brandbrief an die Führungskräfte. Der Konzern befinde sich "in einer schwierigen Situation", die sich in den vergangenen Monaten nicht verbessert, sondern verschlechtert habe, hieß es. Das operative Ergebnis liege auch per Juli "deutlich unter Vorjahr und weit weg von unserer Zielsetzung".

Im Oktober verzeichnete die Bahn dann die zweitschwächste Verspätungsquote in diesem Jahr. Nur 71,8 Prozent der Fernzüge kamen pünktlich - was nach Definition des Staatskonzerns heißt: weniger als sechs Minuten nach der geplanten Zeit. Fernverkehrsvorstand Kai Brüggemann verließ daraufhin das Unternehmen. Bahn-Chef Richard Lutz wollte ursprünglich eine Pünktlichkeitsquote von 82 Prozent im Jahr 2018 erreichen, hatte das Ziel aber im Sommer aufgegeben.

Weiterhin machen Infrastruktur und Ausstattung Probleme: Laut einem Medienbericht sollen nur 20 Prozent der ICE völlig ohne Mängel sein. Wegen geplanter Sanierungen des Streckennetzes wird es von Mitte 2019 an außerdem monatelange Vollsperrungen auf wichtigen ICE-Routen geben.

dpa/kyr

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