Montag, 10. Dezember 2018

Schuh-Papst Heinrich Deichmann über Gier "Da gibt es langfristig keine Gewinner."

Heinrich Deichmann: Herr der Schuhe - oder besser, Chef von Europas größtem Schuhhändler

"Ethik" klingt altbacken, überkommen. Und doch spielt sie eine erhebliche Rolle, sagt Deichmann-Chef Heinrich Deichmann. Ein Gespräch über Schuhe, VW - und den praktischen Nutzen eben jener Ethik.

mm.de: Hätte Ethik, beispielsweise die christliche Ethik, eine causa VW verhindert?

Deichmann: Zur christlichen Ethik gehört auch, dass man nicht über andere den Stab bricht. Am allerwenigsten, wenn man nicht weiß, wie es zu Fehlern gekommen ist. Insofern bin ich mit einer Beurteilung zurückhaltend. Grundsätzlich ist natürlich richtig, dass Ehrlichkeit Teil einer christlichen Ethik ist. Inwieweit hier dagegen verstoßen wurde, können die Verantwortlichen sicher am besten beurteilen.

mm.de: Ethik und die harte Welt der Wirtschaft - inwieweit muss man Kompromisse eingehen?

Deichmann: Ethik und Wirtschaft gehören für mich untrennbar zusammen. Forscher und Praktiker bestätigen das immer wieder. Langfristiger Erfolg ist ohne ethisches Verhalten nicht möglich. Nur wenn man Kunden, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit fair und ehrlich behandelt, kann man auf Dauer am Markt bestehen. Wo Gier, Egoismus und gar Gesetzlosigkeit regieren, gibt es langfristig keine Gewinner.

mm.de: Sie sind unter anderem in Afrika aktiv - warum?

Deichmann: Wir sind seit vielen Jahren in Indien, in Tansania, aber auch in Moldawien, Griechenland und Deutschland mit sozialen Projekten aktiv. Wir sehen den Unternehmenszweck nicht nur darin Gewinne zu erzielen, sondern Menschen zu dienen. So haben wir auch unser Leitbild überschrieben. Das bedeutet konkret, wir wollen nicht nur unseren Kunden und Mitarbeitern gerecht werden, sondern auch Menschen in Not. So haben wir dort, wo wir vertrauenswürdige Partner gefunden haben, Entwicklungshilfeprojekte aufgebaut - immer mit einheimischen Kräften. In Tansania geschah das mitten im Busch. Dort ist inzwischen ein Zentrum für medizinische Hilfe und für Bildung entstanden, von dem die ganze Region profitiert.

mm.de: Muss Hilfe eigentlich ebenso nachhaltig erfolgen wie das Bewirtschaften eines Unternehmens? Oder ist es sinnvoll, heute Kinder in Guatemala zu unterstützen, morgen ein Brunnenbauprojekt in Kenia?

Deichmann: Wir legen bei unseren Projekten Wert darauf, dass sie langfristig wirken. Außerdem glauben wir, dass es effektiver ist, sich bei der Hilfe zu konzentrieren. Wir können nicht überall helfen. Aber dort, wo wir helfen, wollen wir dies umfassend und möglichst nachhaltig tun.

mm.de: Mögen Sie den folgenden Satz beenden? Schuhe sind für mich ...

Deichmann: … ein wunderschönes Produkt, meine große Leidenschaft und die wirtschaftliche Basis, auf der wir alle bei Deichmann stehen.

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