Sonntag, 22. Juli 2018

Werbe-Riese WPP nach Martin Sorrell Ein Imperium ohne Kaiser

Sir Martin Sorrell: Der Chef des Werbegiganten WPP ist abgetreten, ohne einen Nachfolger aufzubauen
Bloomberg via Getty Images
Sir Martin Sorrell: Der Chef des Werbegiganten WPP ist abgetreten, ohne einen Nachfolger aufzubauen

Seine Zähigkeit war legendär - und das Selbstbewusstsein von Martin Sorrell nicht weniger. "Ich bin jeden Penny wert", knurrte er Kritikern entgegen, als sie sich 2016 einmal wieder über sein fast 90 Millionen Euro Jahresgehalt echauffierten. Dass der 73-jährige Werber nun nach einer Untersuchung gegen ihn so schnell und gleichsam geräuschlos abtritt, erstaunt umso mehr.

Geräuschlosigkeit war nie das Ding Sorrells, der in den vergangenen rund 30 Jahren aus dem Nichts den größten Anbieter von Werbe-, Marketing- und Kommunikationsdienstleistungen der Welt geformt hat und daran bis zuletzt unermüdlich weiterbaute.

WPP ist Sorrells Lebenswerk - und den Aufstieg in den Werbeolymp hat das "Ungeheuer der Madison Avenue", wie einige Kritiker Sorrell nannten, generalstabsmäßig geplant.

Vom Einkaufswagen zum Werbeolymp

1986 nach neun Jahren bei Saatchi & Saatchi als CFO herausgeflogen, entschließt sich Sorrell mit seiner Abfindung von einer Million Dollar sein eigenes Werbeimperium zu gründen. Zu diesem Zweck kauft er - zunächst zusammen mit einem Partner- die kleine Firma Wire and Plastic Products (WPP). Eine Firma, die vor allem Einkaufswägen produziert und bis heute im Haushaltswaren-Geschäft ist.

Von da an geht es Schlag auf Schlag. Schon ein Jahr nach der Übernahme von WPP ist es mit der Ruhe in der Branche vorbei. Mit gerade einmal 38 Millionen Pfund Umsatz im eigenen Geschäft startet Sorrell einen feindlichen Übernahmeversuch des mehr als 15 Mal größeren Traditionswerbers J. Walter Thompson. Die Agentur und ihre Kunden wehren sich, ziehen sogar vor Gericht. Der Entschlossenheit des Finanzmannes haben sie jedoch nichts entgegen zu setzen.

Sorrell obsiegt. Und nimmt zwei Jahre später schon das nächste Übernahmeziel ins Visier: Die börsennotierte Agentur Ogilvy & Mather. Ein Vorstoß, den Agentur-Mitgründer David Ogilvy dazu veranlasst haben soll, Sorrell als "odious little shit" zu bezeichnen.

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