Sonntag, 19. November 2017

Chemie-Merger von Clariant und Huntsman gescheitert Clariant, Huntsman blasen milliardenschwere Fusion ab

Ist mit seinen Plänen an einem aktivistischen Investor gescheitert: Clariant-Chef Hariolf Kottmann

Nach monatelangem Kräftemessen mit einem aggressiven Großaktionär gibt der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant auf - und stoppt die geplante Fusion mit dem US-Konkurrenten Huntsman. Schuld daran ist der aktivistische Investor White Tale.

Nach monatelangem Kräftemessen mit einem aggressiven Großaktionär gibt der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant auf. Clariant-Chef Hariolf Kottmann gab am Freitag dem Druck von White Tale nach und trug die geplante 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman zu Grabe.

Nach der schweren Niederlage will Kottmann vorerst alleine weitermachen. Doch Experten rechnen damit, dass Clariant nun zu einem Übernahmeziel wird oder zerschlagen werden könnte, Interesse an Teilen dürfte etwa die deutsche Evonik zeigen. Der Triumph von White Tale ist Händler zufolge das erste Mal, dass eine so große Transaktion in der Schweiz an der Opposition eines Aktivisten scheitert.

Anstoß für das Abblasen der Fusion war eine Aufstockung der Beteiligung von White Tale an Clariant. Die Schweizer Börse meldete am Freitag morgen, dass White Tale nun 20 Prozent halte und bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem hätten sich weitere Anleger hinter die Amerikaner geschart.

Der Basler Konzern hätte die Zustimmung von zwei Dritteln der Clariant-Aktionäre benötigt, um die Transaktion in trockene Tücher zu bringen. Diese Hürde erwies sich nun als zu hoch. "Unter diesen Umständen und angesichts des hohen Maßes an Beeinträchtigung und Unsicherheit, das dadurch für beide Unternehmen entstanden ist, haben wir gemeinsam beschlossen, den Fusionsvertrag aufzuheben", teilten die beiden Firmenlenker Kottmann und Peter Huntsman mit.

Zweitgrößter Aktionär stärkt Kottmann den Rücken

Clariant-Großaktionär White Tale hatte in der Vergangenheitwiederholt kritisiert, dass der Schweizer Konzern bei einem Zusammenschluss mit Huntsman zu niedrig bewertet werde. Zudem stellte er die industrielle Logik der Fusion in Frage. Der aktivistische Investor hatte stattdessen gefordert, dass die Sparte Plastics & Coatings verkauft werde.

An der Schweizer Börse reagierten die Anleger verschnupft, die Clariant-Aktien Börsen-Chart zeigen brachen um sechs Prozent ein.

Trotz der Niederlage macht Clariant mit dem bestehenden Management und Verwaltungsrat weiter. Kottmann, der als Architekt der Fusion gilt, will bei dem Konzern bleiben. Helfen dürfte ihm einem Experten zufolge, dass Clariant die im Fall einer abgebrochenen Transaktionen fällige Zahlung im dreistelligen Millionenbereich an Huntsman nicht leisten muss.

Rückendeckung erhält Kottmann zudem von bayrischen Familien, die mit einem Anteil von rund 14 Prozent zweitgrößte Eigner des Unternehmens sind. "Clariant hat sich durch den langjährigen Einsatz von Hariolf Kottmann und seinem Team hervorragend entwickelt, und ist bestens aufgestellt, den erfolgreichen Kurs auch ohne den geplanten Zusammenschluss fortzusetzen", erklärte ihr Vertreter Konstantin Winterstein.

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