Donnerstag, 29. September 2016

Leica wechselt Chef aus Blackstone läutet bei Kamera-Hersteller Leica das Ende der Gemütlichkeit ein

Da war der Himmel, und nicht nur der, noch voller Sterne: Leica-CEO Alfred Schopf (rechts) mit seinem Mehrheitseigner Andreas Kaufmann bei der Eröffnung des dreigeschossigen Leica-Ladens in Los Angeles im Juni 2013.

Lange Zeit konnte sich der Kamera-Hersteller Leica als Beispiel einer friedvollen Symbiose zwischen Familienunternehmer und Finanzinvestor inszenieren. Nun installiert Minderheitseigner Blackstone einen neuen Chef an der Spitze der Traditionsfirma.

Das Traditionshaus Leica hat in seiner Geschichte schon viele Vorstandsvorsitzende erlebt. Manchmal erreichte die Verweildauer der jeweiligen Chefs nicht einmal zwei Jahre. So gesehen war Alfred Schopf (57) die große Ausnahme: Seit Sommer 2010 hielt er sich tapfer an der Spitze.

Doch nun ist auch die Ära Schopf vorbei, bestätigte das Unternehmen am Dienstag entsprechende Informationen von manager-magazin.de. Sein Nachfolger wird, wie ebenfalls bereits am Montag von manager-magazin.de vermeldet, Oliver Kaltner (46), der im letzten Herbst im Leica-Vorstand den Vertrieb und das Marketing übernommen hat. Bereits am 1. April soll der Wechsel erfolgen. Offizielle Version: Schopf verlasse "das Unternehmen auf eigenem Wunsch (..), um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu widmen".

Die Spitzenpersonalie in der Wetzlaer Zentrale sorgt für Überraschung bei Branchenkennern, denn der Konzern kam in den vergangenen Jahren gut voran. 2004, als der durch eine Erbschaft reich gewordene ehemalige Waldorflehrer Andreas Kaufmann (61) bei Leica einstieg, stand der Kamerahersteller kurz vor dem Ruin.Kaufmann steckte viel Geld in die Entwicklung neuer Produkte und führte die Firma 2010 wieder in die Gewinnzone. 2012 gab Kaufmann 45 Prozent seiner Anteile an das Private-Equity-Haus Blackstone ab, die Mehrheit liegt bis heute bei ihm. Er führt auch weiterhin den Aufsichtsrat.

Designierter neuer Leica-Chef: Oliver Kaltner
Leica Camera
Designierter neuer Leica-Chef: Oliver Kaltner
Blackstone-Deutschland-Chef Axel Herberg (57) ließ dem Aufsichtsratsvorsitzenden Kaufmann und dessen ersten Mann Schopf zunächst großen Spielraum. Offensichtlich hat er aber mittlerweile seine Haltung geändert. Insider wollen wissen, dass es Herberg war, der Kaufmann zur Ablösung von Schopf drängte. Möglicherweise verspricht er sich von dem künftigen Vorstandsvorsitzenden Kaltner noch mehr Dynamik und höhere Gewinne. Die kann Blackstone-Mann Herberg auch deswegen gut gebrauchen, weil sein anderes Deutschland-Engagment, die Outdoor-Marke Jack Wolfskin, gehörig schwächelt.

Fraglich indes ist, ob der ebenso forsche wie wendige Kaltner, der vorher unter anderem bei Microsoft und Sony gearbeitet hat, in die beschauliche Kultur von Leica passt. Bei seinen früheren Arbeitgebern hatte es der Ökonom nicht immer lange ausgehalten. Gut möglich, dass er auch bei Leica nur ein überschaubares Gastspiel gibt.

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