Freitag, 29. Juli 2016

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Klamme Hoffnungsbranche Biotech-Startups - der gnadenlose Kampf ums knappe Geld

Mitarbeiterin der Firma Curevac im Labor: 46 Millionen Euro investierte Bill Gates in das Tübinger Biotech-Unternehmen

Wie reichlich die Mittel in einer Industrie fließen lässt sich leicht daran erkennen, welche Aufmerksamkeit einzelnen Investments gewidmet wird. Erhält ein Startup im Silicon Valley 50 Millionen Dollar Venture Capital, verkünden das heutzutage höchstens noch die Empfänger der Geldspritze in einer Pressemeldung. Steigt hingegen Bill Gates bei einem deutschen Biotech-Unternehmen mit 46 Millionen Euro ein, dann schreiben hiesige Wirtschaftsblätter seitenlange Titelgeschichten - so ungewöhnlich ist das Engagement des reichsten Mannes der Welt bei der Tübinger Firma Curevac.

Schließlich sind hochinnovative junge Medizinunternehmen wie der Impfstoff-Entwickler hierzulande eher chronisch klamm. Nur höchst selten kommt ein größerer Geldsegen über sie. So verbucht es etwa die ebenfalls in Tübingen angesiedelte Immatics im Februar diesen Jahres als riesigen Erfolg, Fördermittel von bis zu 19,6 Millionen Dollar aus dem US-Bundesstaat Texas zu erhalten.

Das dortige Krebsforschungsinstitut stellt die Summe bereit, damit die Deutschen ihre personalisierten Krebsimmuntherapien an der M.D.-Anderson-Klinik in Houston vorantreiben können. Immatics hat damit als erstes deutsches Unternehmen eine Förderung für die Entwicklungsarbeit an diesem größten Krebsforschungszentrum der Welt erhalten.

Weltweite Anerkennung - doch die deutschen Biotech-Startups dümpeln dahin

Ein schöner Beweis, dass die hiesigen Wissenschaftler weltweit Anerkennung finden. Doch leider dümpeln die Biotech-Firmen, die sie gründen, sehr viel häufiger mit mickrigen Umsätzen in den roten Zahlen herum als durch Millionendeals Furore zu machen.

So vermeldete etwa die Medigene AG Börsen-Chart zeigen Mitte März einen Umsatz von 13,8 Millionen Euro. Der Verlust lag bei 5,8 Millionen Euro. Zwar galt das 1994 von den Pionieren der heimischen Biotechnologie gegründete Unternehmen lange als Vorzeigebetrieb, da es überhaupt Medikamente am Markt verkaufen kann. Doch von einem durchschlagenden Erfolg ist die Firma noch immer weit entfernt.

Nadellose Spritzen: Der lange Kampf von Injex um frisches Geld

Medigenes ehemaligen Vorstandschef Peter Heinrich indes hat die Misere der modernen Medizinbranche jetzt noch härter getroffen. Die Injex Pharma AG, dessen Aufsichtsrat der einstige Vorreiter der deutschen Biotech-Branche vorsteht, musste am 12. Februar beim Amtsgericht in Berlin Charlottenburg Insolvenz anmelden. In den vergangenen drei Jahren war der Anbieter von nadellosen Spitzen immer wieder knapp an der Pleite vorbei geschrammt.

Mit allen Mitteln hatte Heinrich mit seinem Vorstandschef Thomas Klaue um das Überleben der Firma gekämpft. Immer wieder sagten Investoren größere Finanzierungen für die innovative Technik zu. Am Ende aber flossen die Millionen nie.

Hinter der traurigen Geschichte verbirgt sich ein Wirtschaftskrimi, der zeigt, mit welch harten Bandagen in der Branche um knappes Geld und wertvolle Technologien gekämpft wird.

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