Montag, 25. Juli 2016

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Stahlkocher-Protest in Brüssel Dieser Preiskampf ist nicht zu gewinnen

SOS in Brüssel: Stahlkampf gegen China
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AFP

Tausende Stahlwerker protestieren in Brüssel gegen Stahl zu Dumping-Preisen aus China. Selbst Manager treibt es auf die Straße. Die Branche in Europa steht am Scheideweg. An der Übermacht aus China werden aber auch Sanktionen kaum etwas ändern.

Dass Stahlkumpel und ihre Manager zusammen auf der Straße demonstrieren, hat wohl Seltenheitswert. Doch die Krise der Stahlkonzerne in Europa lässt keinen Raum mehr für Standesdünkel und tradierte Rollenverständnisse. Wenn Spitzenmanager und Vorstände von ThyssenKrupp, ArcelorMittal oder Tata Steel Europe wie am Montag zusammen in Brüssel protestieren, dann vereint sie die Angst, dass Billigstahl aus China die Hütten auf dem alten Kontinent eines Tages ganz plattwalzen könnte.

Das gilt um so mehr, als die EU China Ende dieses Jahres womöglich den Status einer Marktwirtschaft zusprechen muss. Dann dürften es Unternehmen aus der EU noch schwerer haben, sich gegen Wettbewerber aus China mit Anti-Dumping-Klagen durchzusetzen.

Dabei produziert China immer noch rund 400 Millionen Tonnen "überflüssigen" Stahl im Jahr, obwohl das Reich der Mitte unrentable Kapazitäten fortwährend stillgelegt. Diese Überkapazitäten drücken die chinesischen Konzerne in die weltweiten Märkte und sorgen damit für einen drastischen Preisverfall - auch in Europa. In Großbritannien hat Tata Steel als größter Stahlproduzent der Insel vor dem Billigstahl weitgehend kapituliert und entlässt Tausende.

Massenentlassungen in Großbritannien als Ouvertüre für Europa

Die Entwicklung auf der Insel ist laut UBS-Analyst Carsten Riek nur ein Vorgeschmack auf das, was Stahlunternehmen in Europa ebenfalls drohen könnte. Die Stahlmanager des alten Kontinents sind in Alarmstimmung: Philippe Darmayan, Frankreich-Chef des Stahlriesen ArcelorMittal, verlangt von der EU-Kommission, die europäischen Stahlunternehmen "vor der chinesischen Bedrohung zu schützen". Die Chinesen attackierten die europäische Stahlindustrie schwer. Europa müsse schnellstens gegensteuern, forderte er am Montag.

Europäische Stahlverbände, Manager und Gewerkschaften werfen chinesischen Stahlriesen wie Sinosteel vor, dass sie ihre Überschussproduktion zu Preisen selbst unterhalb der eigenen Herstellungskosten anbieten - von den europäischen ganz zu schweigen. Das Problem des Billigstahls aus China ist zwar nicht neu, scheint jetzt aber durch den Umbau der chinesischen Wirtschaft und die schwächere Konjunktur noch härter durchzuschlagen.

Dem haben die Stahlproduzenten in Europa scheinbar nur wenig entgegenzusetzen: Der aus Arcelor (Luxemburg) und Mittal (Niederlande) fusionierte weltgrößte Stahlhersteller wies für das vergangene Jahr einen Verlust von 7,2 Milliarden Euro aus. ArcelorMittal braucht nun frisches Geld und streicht die Dividende. Auch Tata Steel fuhr in Europa zuletzt Verluste ein.

"Stoppt China Dumping": Tausende Stahlwerker aus Europa - unter ihnen auch Topmanager der Konzerne - protestierten am Montag in Brüssel gegen die Billigkonkurrenz aus China. In den vergangenen Jahren gingen 40.000 Jobs in der europäischen Stahlbranche verloren. Es könnten noch mehr werden

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