Montag, 19. November 2018

Siemensstadt 2.0 Siemens baut deutsches Silicon Valley in Berlin

Siemens-Vorstand Cedrik Neike und Berlins Regierungschef Michael Müller unterzeichnen die 600 Millionen Euro schwere Vereinbarung

Der Technologiekonzern Siemens baut in den nächsten Jahren in Berlin einen großen Innovationscampus. Die Bundeshauptstadt bekam am Mittwoch den Zuschlag für das Projekt. Siemens kündigte an, "bis zu 600 Millionen Euro in eine neue Arbeits- und Lebenswelt" zu investieren. Es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Siemens in Berlin.

Der Campus wird auf einem historischen Industriegelände in der Siemensstadt in Berlin-Spandau auf einer Fläche von 700.000 Quadratmetern bis zum Jahr 2030 entstehen. Dort sollen Forschungseinrichtungen, Fach- und Gründungszentren sowie Start-up-Firmen angesiedelt werden, aber auch Wohnungen entstehen.

Vorstandsmitglied Cedrik Neike für Siemens Börsen-Chart zeigen und Regierungschef Michael Müller (SPD) für das Land Berlin unterzeichneten eine Vereinbarung, gemeinsam die Siemensstadt als Technologiestandort auszubauen. Der Berliner Senat wird einen städtebaulichen Wettbewerb initiieren, der die Grundlage für das Projekt bilden soll. Außerdem wird eine Projektsteuerungsgruppe eingesetzt.

Neike hatte sich besonders dafür eingesetzt, dass der Campus nach Berlin kommt und nicht international ausgeschrieben wird. Der gebürtige Berliner bezeichnete die geplante Siemensstadt 2.0 als "Ökosystem, wo wir Arbeiten, Forschen, Wohnen und Lernen auf einem Areal vereinen".

Elektromobilität und Internet der Dinge sind zwei der Schwerpunkte

Als Teil des großen Ganzen ist ein kleineres Industrie- und Wissenschaftszentrum geplant, in das die Beteiligten 60 Millionen Euro stecken. Dazu gehören die Stadt, die Technische Uni Berlin, die Fraunhofer-Gesellschaft und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Auch dazu wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Als Schwerpunkte der Forschung auf dem künftigen Campus nannte Siemens dezentrale Energiesysteme, Elektromobilität, Industrie 4.0, 3D-Druck, das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz und Datenanalyse. Zur möglichen Zahl neuer Arbeitsstellen äußerte sich Kaeser nicht konkret.

Der Regierende Bürgermeister Müller sprach von einem "wichtigen Tag für den Wirtschaftsstandort Berlin und die Stadt insgesamt". Erst vor acht Wochen habe man konkret mit den Gesprächen begonnen und sei nun schneller fertig geworden als gedacht. Kaeser sagte, auf dem Campus solle ausprobiert werden, wie in Zeiten des schnellen digitalen Wandels Forschung, Arbeit und Freizeit in Einklang zu bringen sind.

Wohnraum soll bezahlbar sein

Der Siemens-Chef zeigte sich besorgt über eine Spaltung der Gesellschaft. Als Beispiel nannte er München, wo es für Menschen, "die einen ganz normalen Job haben", schwer sei, eine vernünftige Bleibe zu finden. Das dürfe nicht der neue sozioökonomische Standard werden, "aber wir sind auf dem besten Weg dahin", fügte Kaeser hinzu.

Siemens hat die Zentrale in München, seine Wurzeln aber in Berlin und beschäftigt dort zurzeit 11.400 Mitarbeiter. Die Stadt ist der Gründungsort des Konzerns, im Bezirk Spandau entstand ab 1900 der nach dem Unternehmen benannte Stadtteil Siemensstadt mit Fabriken und Werkssiedlungen. Der Campus entsteht auf dem Gelände, auf dem sich das alte Dynamowerk und das Schaltwerk befinden.


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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nannte die Ansiedlung einen großen Erfolg für die Hauptstadt. "Ich habe Berlin und den Regierenden Bürgermeister Michael Müller immer bei seinen Bemühungen unterstützt, den Siemens-Innovationscampus in Berlin anzusiedeln - und ich werde das Projekt weiter unterstützen", sagte er. Auch die Oppositionsparteien CDU und FDP im Abgeordnetenhaus begrüßten das Vorhaben.

Bernd Röder und Julia Kilian, dpa

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