Sonntag, 19. November 2017

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Aufsicht veröffentlicht Dokumente Die geheimen Details hinter dem Monsanto-Deal

Wagt viel: Bayer-CEO Werner Baumann

45 089 Wörter auf 80 Seiten umfasst die Fusionsvereinbarung, die Bayer und Monsanto bei der US-Finanzaufsicht SEC hinterlegt haben. Kaufpreis, Garantien, Verpflichtungserklärungen, Vertragstrafen - juristisches Ballett in kleinen Buchstaben. manager-magazin.de hat die interessantesten Klauseln des Megadeals herausgefiltert:

Ausstiegsklausel: Monsanto hat bis zur Hauptversammlung, in der über das Bayer-Angebot abgestimmt werden soll, die Option, sich von einem anderen Unternehmen kaufen zu lassen. Dieser so genannte "weiße Ritter" müsste dann natürlich mehr bieten als die 66 Milliarden Dollar der Deutschen. Das Board der Amerikaner darf sich allerdings nicht aktiv auf die Suche nach einem Gegenangebot machen. Für den Fall eines alternativen Angebots darf die Monsanto-Spitze allerdings nicht auf das Angebot eingehen, ohne dass es Bayer zuvor die Gelegenheit gegeben hat, seinerseits auf das Gegenangebot zu reagieren.

Kartellbehörden: Bayer verpflichtet sich für den Fall, dass eine oder mehrere Kartellbehörden auf den Verkauf von Firmenteilen bestehen, Geschäft bis zu einem Umsatzvolumen von 1,6 Milliarden Dollar abzugeben. Sollten die Wettbewerbshüter Verkäufe fordern, die dieses Volumen übersteigen, hat Bayer die Option, aus dem Deal auszusteigen.

Vertragsstrafen: Sollte der Deal am Votum von Aufsichts- oder Wettbewerbsbehörden scheitern, wird für Bayer eine Vertragsstrafe von 2 Milliarden Dollar fällig. Bietet ein weißer Ritter erfolgreich für Monsanto, bekommt dagegen anschließend Bayer ein Trostpreis in Form von 1,85 Milliarden Dollar. 150 Millionen Dollar müsste Monsanto nach Leverkusen überweisen, sollten deren Aktionäre gegen den Deal votieren.

Dividenden und Aktienrückkäufe: Der US-Konzern darf bis zur endgültigen Übernahme zwar noch Dividenden an seine Aktionäre bezahlen, muss aber die laufenden Aktienrückkaufprogramme einstellen.

Zeitfenster: Bis zum 14. September kommenden Jahres wollen Bayer und Monsanto den Deal unter Dach und Fach haben. Falls bis dahin nicht alle Details geklärt und alle Genehmigungen vorliegen, platzt die Übernahme. Diese Frist verlängert sich nur unter einer Bedingung noch einmal um ein Dreivierteljahr bis zum 14. Juni 2018: Sämtliche Vertragsbedingungen sind erfüllt, das OK wesentlicher Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden fehlt aber noch. Erst wenn auch diese Frist erfolglos verstreicht, ist das größte Übernahmeabenteuer eines deutschen Konzerns in den USA gescheitert.

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