Mittwoch, 27. März 2019

Bayer streicht 12.000 Jobs Bayer-Mitarbeiter demonstrieren, Jobabbau vor allem im Ausland

Bayer-Chef Werner Baumann

Nach der umstrittenen Monsanto-Übernahme, die Bayer Milliarden an Börsenwert gekostet hat, kündigt Konzernchef Werner Baumann ein hartes Sparprogramm an. 12.000 Jobs sollen wegfallen, viele davon in Deutschland. Mitarbeiter gehen auf die Straße, um gegen den Plan zu protestieren.

Wenige Tage nach der Bekanntgabe eines massiven Arbeitsplatzabbaus im Bayer -Konzern wollen an diesem Montag Beschäftigte in Wuppertal protestieren. Der Betriebsrat des Standortes mit mehr als 3000 Mitarbeitern hat für den Mittag (12.30 Uhr) zu einem Demonstrationszug aufgerufen. Damit soll Kritik an den Plänen deutlich gemacht werden.

Und das unmittelbar vor einer Versammlung in der Bayer-Sporthalle, zu der Vorstandsmitglied Hartmut Klusik erwartet wird. Er ist unter anderem für den Bereich Personal zuständig. Während der Versammlung (14.00 Uhr) solle eine Ansprache des Vorstandschefs Werner Baumann zu sehen sein, die zeitgleich auch an die anderen deutschen Bayer-Standorte übertragen werde.

Betriebsstätte in Wuppertal soll schrittweise stillgelegt werden

Bayer hatte am Donnerstag unter anderem angekündigt, dass eine neue Produktionsstätte in Wuppertal, die den Regelbetrieb noch nicht aufgenommen hat, schrittweise stillgelegt werden soll. Dabei geht es um die Herstellung eines sogenannten Faktor-8-Wirkstoffes, der die Blutgerinnung verstärkt. Weil viele Konkurrenzprodukte auf den Markt gekommen seien, will Bayer die Produktion an einem bestehenden Standort in den USA konzentrieren.

Laut Betriebsrat werden in diesem Biotechnologiebereich nun rund 350 hoch spezialisierte Arbeitsplätze in Wuppertal bereits 2019 wegfallen. Ursprünglich hatte der Bayer-Konzern Investitionen in der Größenordnung von ungefähr 500 Millionen Euro in diesen neuen Wuppertaler Betrieb angekündigt.

"Es gibt viel Unverständnis, aber auch Wut im Bauch", sagte der Wuppertaler Betriebsratsvorsitzende Michael Schmidt-Kieß. Er forderte, dass für jeden Betroffenen rasch eine Perspektive gefunden werden müsse. Die Schließung des Faktor-8-Werkes werde sich wohl nicht verhindern lassen. Darüber hinaus sei im Forschungs- und Entwicklungsbereich in den nächsten Jahren ein Personalabbau zu befürchten. Der Wuppertaler Betriebsrat befürchtet, dass Know-how und wichtige, innovative Arbeitsplätze durch Stellenabbau unwiederbringlich verlieren gehen könnten.

Baumann: Mehrzahl der 12.000 Jobs soll außerhalb Deutschlands abgebaut werden

Bayer will bei seinem angekündigten Stellenabbau die Mehrzahl der Jobs nicht in Deutschland streichen. "Es wird einen bedeutenden Anteil an Arbeitsplätzen in Deutschland betreffen, aber nicht die Mehrzahl der 12.000 Stellen, wie schon gemutmaßt wurde", sagte Baumann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Genaue Zahlen nannte er aber nicht.

Der Stellenabbau in der Bundesrepublik soll sozialverträglich erfolgen. "Wir haben mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart, bis Ende 2025 grundsätzlich auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland zu verzichten", sagte Baumann der Zeitung.

Das Unternehmen hatte am Donnerstag angekündigt, dass nach der Übernahme des US-Unternehmens Monsanto bis Ende 2021 rund 12.000 der 118 200 Arbeitsplätze abgebaut werden. "4000 der 12 000 betroffenen Stellen entspringen den bekannten Synergien aus der Übernahme von Monsanto", sagte Baumann der Zeitung. Durch den Verkauf von Unternehmensteilen soll die Mitarbeiterzahl von Bayer insgesamt sogar noch stärker schrumpfen: Weitere knapp 10.000 Mitarbeiter sollen den Konzernverbund verlassen und unter anderem Dach weiterarbeiten.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung