Samstag, 23. März 2019

Prominenter Aktionär will Miteigner gegen Bayer-Chef Baumann mobilisieren Abrechnung mit Bayer-Chef Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann, hier auf der Hauptversammlung seines Konzerns am 25. Mai 2018, steht ein konfliktreiches Aktionärstreffen bevor.

Der Brief trägt das Datum vom 12. März, ist adressiert an die Rechtsabteilung des Leverkusener Chemie- und Pharmakonzerns Bayer und enthält eine auf drei DIN A4 Seiten komprimierte Generalabrechnung mit der bisherigen Amtszeit von Bayer-Chef Werner Baumann (56). Formuliert und unterschrieben hat den Gegenantrag zum Punkt zwei der Tagesordnung zur Hauptversammlung am 26. April Christian Strenger (75), Gründungsmitglied der Regierungskommission DeutscherCorporate Governance Kodex und bis heute einer der anerkanntesten Experten für gute Unternehmensführung in Deutschland.

Christian Strenger

Strenger fordert die übrigen Aktionäre auf, Bayer-Chef Baumann und seinen Vorstandskollegen die Entlastung zu verweigern. Baumann droht damit eine turbulente Hauptversammlung, obwohl Strenger selbst nur einen kleinen Bruchteil der Anteilseigner vertritt. Der 2016 aus der Regierungskommission ausgeschiedene Corporate Governance-Experte hofft auf zahlreiche Proteststimmen der von den Kurverlusten der Bayer-Aktien verärgerten Anteilseigner. Auch nach Abschluss der über 60 Milliarden Dollar schweren Übernahme des US-Saatgut- und Unkrautvernichtungsspezialisten Monsanto ist der Kurs der Bayer-Aktie weiter abgesackt. Binnen knapp 2 Jahren hat die Aktie mehr als 40 Prozent an Wert verloren.


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Monsanto-Kauf "schnellster Wertvernichter der Dax-Geschichte"

Strenger bezeichnet in seiner Begründung den Monsanto-Kauf als "den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte". Im Einzelnen wirft er Baumann vor, die Übernahme nach den von den EU- und US-Kartellbehörden erzwungenen Verkäufe von Bayer-Unternehmensteilen an den Konkurrenten BASF nicht abgeblasen zu haben, obwohl sich durch die Auflagen "das Synergiepotential des Monsanto-Deals um mal eben 20 Prozent oder 300 Millionen Euro pro Jahr verringert hat."

Darüber hinaus hält er Baumann die "falsche Einschätzung der jetzt so eklatant gestiegenen Rechtsrisiken aus Glyphosatklagen" vor, sowie "die erst im August 2018 selbst eingestandene Unmöglichkeit sich ein doch zwingend erforderliches Bild von den so gravierenden Prozessrisiken zu machen."

Strengers Angriff richtet sich auch gegen den von Werner Wenning (72) angeführten Aufsichtsrat, dem er die Verletzung seiner Kontrollpflichten zur Last legt. Im letzten Absatzes seines Schreibens droht Strenger an, gegebenenfalls auch gegen das Kontrollgremium einen Antrag auf Nichtentlastung zu stellen sowie eine Sonderprüfung über die Umstände der Monsanto-Übernahme zu stellen.

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