Sonntag, 9. Dezember 2018

Nach Kurseinbruch wegen Glyphosat Bayer will Anleger mit Konzernumbau beruhigen

Bayer-Chef Baumann will offenbar vor allem in der Sparte Consumer Health sparen

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer will laut einem Medienbericht Kosten einsparen und dafür auch Arbeitsplätze abbauen. Besonders betroffen sei die kriselnde Sparte Consumer Health, die verschreibungsfreie Medikamente wie Aspirin herstellt, berichtete das "Handelsblatt" (Mittwoch) mit Bezug auf Unternehmenskreise. Aber auch in der Pharmaforschung und in der mit Monsanto Börsen-Chart zeigen kombinierten Agrarsparte würden Jobs wegfallen. Konkrete Zahlen wurden in dem Bericht nicht genannt. Ein Sprecher wollte den Artikel auf Nachfrage nicht kommentieren. Die Aktie Börsen-Chart zeigen legte am Morgen um 1,8 Prozent auf knapp 65 Euro zu.

Betriebsbedingte Kündigungen werde es aber zumindest in Deutschland nicht geben, da hier noch bis mindestens 2020 Standortgarantien gelten, hieß es weiter. Diese betreffen allerdings nicht die Zentrale von Consumer Health, die ihren Sitz in Basel hat.

Verkauf einiger Marken wird geprüft, Einschnitte in allen Sparten

Zudem sei der Verkauf kleinerer Marken vorgesehen, die Bayer nicht mehr weiterführen wolle. Für das Geschäft mit Tierarznei (Animal Health) halte man sich die Option zum Verkauf offen.

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern will Analysten und Fondsmanager am 5. Dezember auf einer Investorenkonferenz in London über die künftigen Perspektiven seines Geschäfts informieren. Der Leiter der Sparte Consumer Health, Heiko Schippers, hatte Mitte November gegenüber Analysten erklärt, er wolle dann einen tieferen Einblick geben, wie man das Geschäft wieder in Schwung bringen wolle. Investoren sind wegen des Kurseinbruchs nach dem ersten Glyphosat-Prozess nachhaltig irritiert. Reuters hatte von Insidern erfahren, dass Bayer den Verkauf von einigen Marken in einzelnen Ländern prüft, in denen die Geschäfte zu klein seien, um langfristig zu wachsen.

Aber auch die Pharmasparte steht vor Voränderungen, denn Bayer durchleuchtet seit Jahresbeginn weltweit alle Pharma-Standorte für Forschung und Entwicklung unter dem Projektnamen "Super Bowl". Reuters hatte im September von einem Insider erfahren, dass Stellenkürzungen, die Verlagerung von Arbeitsplätzen oder auch die Auslagerung von Medikamententests möglich seien. Es werde "kräftige Veränderungen" geben. Der Konzern prüft Insidern zufolge zudem Optionen für sein Tiermedizin-Geschäft.


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Der Bayer-Betriebsrat hatte bereits im Oktober Sorgen hinsichtlich der Beschäftigungssituation bei dem Unternehmen geäußert und langfristige Sicherheit auch über 2020 hinaus gefordert. Der Vorstand müsse auch klarstellen, welche Folgen die mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto angekündigten Einsparungen für die Beschäftigten hätten. Eine mit der Sache vertraute Person sagte Reuters nun, der Schwerpunkt der Sparmaßnahmen liege nicht in Basel, sondern alle drei Sparten hätten mit Schritten zu rechnen.

mg/dpa-afx., rtr

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