Sonntag, 21. Oktober 2018

IFA-Rotorion Haldensleben Autozulieferer kauft insolventen Fahrradbauer Mifa

Vorerst gerettet: Der Autozulieferer IFA-Rotorion Haldensleben will alle 600 Mitarbeiter des Fahrradherstellers Mifa übernehmen, heißt es.

Der insolvente Fahrradhersteller Mifa bekommt einen neuen Eigentümer. Nicht etwa Ex-AWD-Gründer und Mifa-Investor Carsten Maschmeyer, sondern ein Autozulieferer kauft das Unternehmen. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt den Investor.

Magdeburg/Sangerhausen - Ein Unternehmer aus Sachsen-Anhalt wird laut Landes-Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) den insolventen Fahrradbauer Mifa in Sangerhausen übernehmen und alle 600 Arbeitsplätze erhalten. Der Investor stecke eigenes Geld in das Unternehmen.

Die Landesregierung habe gegenüber der landeseigenen Investitionsbank aber auch eine Garantie übernommen, damit der neue Eigner einen Betriebsmittelkredit erhalte, sagte Möllring am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg.

Nach einem Bericht des "Handelsblatt" handelt es sich bei dem Käufer um die Eigentümer des Autozulieferers IFA-Rotorion Haldensleben, die Familie Nathusius. Der Vertrag sollte noch am Donnerstag unterzeichnet werden.

Laut dpa hatte das Kabinett am Mittwochabend zugestimmt, dass die landeseigene Investitionsbank einen Kredit von mehr als zehn Millionen Euro zur Sanierung der Mifa geben kann. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Lucas Flöther wollte den Verkauf zunächst nicht kommentieren. Erst müssten die Verträge unterzeichnet sein, hieß es.

Heinrich von Nathusius hatte 1992 von der Treuhandanstalt das IFA-Gelenkwellenwerk in Haldensleben übernommen und zu einem bedeutenden Autozulieferer ausgebaut. Die IFA-Gruppe mit Standorten in Deutschland, China und den USA hat heute insgesamt 2200 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz lag 2013 bei 407 Millionen Euro. Von Nathusius und seine drei Kinder sind Gesellschafter der IFA-Gruppe.

Mifa hatte Ende September Insolvenz angemeldet, nachdem der geplante Einstieg indischer Investoren geplatzt war. Zuvor hatte das Unternehmen bereits Fehler in der Bilanz entdeckt, wodurch rund 30 Millionen Euro fehlten. Der Umsatz lag zuletzt bei mehr als 100 Millionen Euro im Jahr, als Umsatztreiber galt der Boom bei Elektrofahrrädern.

Der ehemalige Gründer und Chef des Finanzvertiebs AWD, Carsten Maschmeyer, hatte in den Fahrradbauer acht Millionen Euro investiert und zuletzt im Oktober angekündigt, dem Unternehmen auch weiterhin finanziell unter die Arme zu greifen. Davon nimmt der Unternehmer jetzt jedoch Abstand. Maschmeyer habe seinen Anteil an dem Mittelständler komplett verkauft.

Das Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit war am 1. Dezember eröffnet worden. Insolvenzverwalter Flöther hatte damals angekündigt, an der geplanten Ausweitung der Produktion festzuhalten. Im Januar soll die saisonbedingte Kurzarbeit enden und wieder die volle Produktion gestartet werden.

rei/dpa

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