Mittwoch, 19. Dezember 2018

US-Geheimdienst greift ein CIA stoppte Aixtron-Übernahme durch Chinesen

Aixtron: Die Übernahme ist wieder fraglich, das Ministerium meldet Sicherheitsbedenken an

Die geplante Übernahme des angeschlagenen Chipanlagenbauers Aixtron durch einen chinesischen Investor ist einem Bericht des Handelsblattes zufolge durch eine Intervention des US-Geheimdienstes gestoppt worden.

Die Amerikaner hätten Ermittlungsergebnisse präsentiert, wonach Produkte von Aixtron auch militärisch genutzt werden könnten, berichtete das "Handelsblatt" am Mittwoch unter Berufung auf deutsche Geheimdienstkreise. In Washington werde befürchtet, dass China Chips von Aixtron in seinem Nuklearprogramm einsetzt. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich dazu nicht äußern

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte in den vergangenen Tagen überraschend seine am 8. September erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Deal zurückgezogen. Der chinesische Investor Grand Chip Investment (GCI) will für 676 Millionen Euro die defizitäre Firma übernehmen. Nach Ablauf der Annahmefrist haben die Aktionäre bereits rund 65 Prozent der Anteilsscheine zum Kauf angedient. Bei einem Treffen in der US-Botschaft in Berlin waren der Zeitung zufolge Vertreter des Kanzleramts, des Bundeswirtschaftsministeriums, des Innenministeriums und des Verteidigungsministeriums anwesend. Die Amerikaner hätten laut Geheimdienstkreisen Beweise vorgelegt, sie der deutschen Seite aber nicht übergeben. Die deutsche Seite dringe darauf, die Beweise zu erhalten.

GCI hält an Offerte fest

Die Grand Chip Investment (GCI) beteuerte am Dienstag zwar, ihre Übernahmepläne nicht aufzugeben. "Das Schreiben des BMWi führt aus sich heraus nicht zu einer Beendigung der Übernahme-Offerte", teilte GCI mit. Doch Experten sehen eher schwarz. Malte Schaumann vom Bankhaus Warburg erklärte: "Es ist aus heutiger Sicht sehr unsicher, ob der Deal klappt." Tim Wunderlich von Hauck & Aufhäuser geht noch einen Schritt weiter: "Ich sehe eine ernsthafte Gefahr, dass die Übernahme scheitert." Die deutsche Behörde führe in ihren Bedenken die Sicherheitsrelevanz an. Die könne - wenn nicht in Deutschland - so doch in den USA zu einem Verbot führen. Anfang 2016 hatten die US-Behörden bereits den Verkauf von Lumileds, der Lichtsparte von Philips, an ein Konsortium aus überwiegend chinesischen Investoren wegen Sicherheitsbedenken untersagt.

Aixtron reagierte derweil mit Unverständnis. "Wir haben für jede unserer exportierten Anlagen nach Asien oder in andere Länder bislang bedenkenlos Exportlizenzen erhalten", sagte ein Sprecher. Die Anlagen dienen der Herstellung von Halbleitern zur Produktion von Leuchtdioden (LED), die in der Unterhaltungselektronik, der Autoindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen. In Asien ist das ein milliardenschwerer Markt, auf dem sich auch amerikanische Konzerne wie Veeco oder Applied Materials tummeln. Die Volksrepublik hat ein milliardenschweres Investitionsprogramm aufgelegt, um die heimische Branche auszubauen.

GCI, ein Vehikel der Fujian Grand Investment (FCG), bietet 676 Millionen Euro für den 1983 aus der Aachener Hochschule RWTH hervorgegangenen Chipanlagenbauer mit seinen rund 750 Mitarbeitern. Mit im Boot bei dem Kauf ist die Firma Sino IC Fund Structure, an der unter anderem die chinesische Staatsbank China Development Bank beteiligt ist.

Gabriel beobachtet seit geraumer Zeit die Shoppingtour der Chinesen mit Argusaugen und sieht das Interesse an deutschen Hightech-Unternehmen kritisch. Der SPD-Politiker fordert bessere Instrumente, um unliebsame Firmen-Übernahmen durch ausländische Interessenten, beispielsweise aus China, gegebenenfalls abwehren zu können.

"Ich finde, das Außenwirtschaftsrecht in Deutschland und Europa muss novelliert werden, damit wir wenigstens Prüfungsmaßnahmen machen können und im Zweifel mal Nein sagen können", sagte er Ende September. Dabei warf er China unfaire Wettbewerbspraktiken vor, wie etwa umfangreiche Staatshilfen für Firmen. Gabriel, der in der kommenden Woche in die Volksrepublik reist, sieht in China eine Strategie, um sich gezielt in zukunftsträchtige ausländische Firmen einzukaufen.

Lesen Sie auch:

So wurde Aixtron zum China-Schnäppchen und

Chinesen steigen groß in deutschen Wohnungsmarkt ein

rei/dpa/Reuters

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH