Freitag, 19. Oktober 2018

Insolvente Air-Berlin-Tochter British-Airways-Mutter übernimmt Niki

Niki-Maschine
Getty Images
Niki-Maschine

IAG, Mutterkonzern von British Airways und Iberia, übernimmt zu großen Teilen die insolvente frühere Air Berlin-Tochter Niki. Das bestätigte IAG am späten Freitagabend in London. Zuvor hatten Insider sich bereits mit entsprechenden Informationen bei den Nachrichtenagenturen dpa und Reuters gemeldet.

IAG werde für 20 Millionen Euro Vermögenswerte von Niki übernehmen und der Fluggesellschaft außerdem 16,5 Millionen Euro zuschießen, hieß es in der IAG-Mitteilung. Niki werde in die spanische IAG-Tochter, den Billigflieger Vueling, eingegliedert. Der Konzern will den Niki-Kauf über eine neue, österreichische Tochter von Vueling abwickeln und 740 der rund 1000 Niki-Mitarbeiter übernehmen.

Den Angaben zufolge will IAG von Niki im Zuge des Deals außerdem bis zu 15 Mittelstreckenjets aus der Airbus A320-Reihe übernehmen, hinzu kommt ein "attraktives" Paket aus Start- und Landerechten an Flughäfen wie Wien, Düsseldorf, München, Palma de Mallorca oder Zürich. Die Flugzeuge selbst sind in dem Kaufpreis allerdings nicht enthalten. Die Niki-Jets sind allesamt geleast und gehören teilweise bereits der Lufthansa.

Verhandler standen unter großem Druck

Niki hatte Mitte Dezember Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Grund: Die geplante Übernahme durch die Lufthansa war an Bedenken der EU-Wettbewerbshüter gescheitert. Sie befürchteten, dass es auf manchen Strecken zu einem Monopol des deutschen Marktführers kommen könnte. Auch dem IAG-Deal muss die EU-Wettbewerbsbehörde noch zustimmen.

Niki-Insolvenzverwalter Lucas Flöther und IAG standen bei der Einigung unter starkem Zeitdruck. So sollte der Niki-Verkauf nach bisheriger Planung bis zum Sonntag unter Dach und Fach sein. Hintergrund ist, dass die Airline ansonsten Gefahr läuft, die Betriebserlaubnis und damit die wertvollen Start- und Landerechte, die sogenannten Slots, an den Flughäfen zu verlieren. Zudem drohte Niki das Geld auszugehen.

Bereits ab Januar muss der neue Eigentümer die Gehälter der rund 1000 Niki-Mitarbeiter zahlen, auch der Flugbetrieb muss finanziert werden. Die Lufthansa, die Niki ursprünglich für rund 200 Millionen Euro kaufen wollte, hatte Insidern zufolge dem Ferienflieger zur Überbrückung bis zu 70 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

SPIEGEL ONLINE, soc

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