Mittwoch, 22. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Termin beim Air-Berlin-Insolvenzverwalter Niki Lauda will seine Airline zurück

Formel-1-Ikone Niki Lauda: "Ich habe mein Interesse für FlyNiki bekundet"

Niki Lauda, Formel-1-Ikone und Luftfahrtunternehmer, prüft einen Rückkauf der ursprünglich von ihm gegründeten Fluglinie Niki, Tochtergesellschaft der insolventen Air Berlin. Am Dienstag habe er einen Termin beim Insolvenzverwalter von Air Berlin in Deutschland, sagte Lauda der Tageszeitung "Österreich": "Mein Interesse ist jedenfalls da".

Über die Chancen eines Rückkaufs könne er jetzt noch nichts sagen, weil er nicht wisse, wie sich Niki die letzten Jahre entwickelt habe. Außerdem versuche die deutsche Lufthansa alles zu kaufen. "Das führt natürlich in meinen Augen zu einem Komplettmonopol in Österreich, weil dann gibt es nur mehr die (Lufthansa-Tochter) AUA und die Niki und die Lufthansa", äußerte sich Lauda im ORF-Abendjournal vom Sonntag skeptisch.

Lauda hatte schon zuvor eine mögliche Übernahme durch die deutsche Airline scharf kritisiert . Wie Ryanair-Chef Michael O'Leary fürchtet Lauda eine beherrschende Stellung der Lufthansa vor allem im deutschen Markt.

Der irische Billigflieger hatte die Lufthansa-Pläne und die Umstände der Air-Berlin-Pleite samt staatlicher Bürgschaft über 150 Millionen Euro als "abgekartetes Spiel" kritisiert und auch Beschwerde beim Bundeskartellamt und bei der EU-Wettbewerbskommission eingelegt.

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister und Pilot Lauda hatte den Ferienflieger "flyniki" 2003 gegründet, 2004 beteiligte sich die Air Berlin. 2011 stieg Lauda komplett aus der Airline aus.

Ryanair und Wöhrl wollen ganze Air Berlin kaufen

Die Bundesregierung setzt unterdessen auf rasche Ergebnisse der Übernahmegespräche bei der insolventen Air Berlin. "Wir warten jetzt mal ab und hoffen, dass es schnell geht", sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) am Samstag in Berlin. Air Berlin verhandele mit der Lufthansa , mit Easyjet Börsen-Chart zeigen , mit Ryanair Börsen-Chart zeigen. "Ryanair will jetzt sogar die ganze Air Berlin kaufen", sagte Zypries. Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl komme ins Spiel und wolle die ganze Air Berlin kaufen. Die Ministerin resümierte: "Es gibt jetzt genug Interessenten. Und wie das dann tatsächlich läuft, damit hat die Bundesregierung nix zu tun und ich persönlich auch nicht."

Vor einer Woche hatte Zypries allerdings erklärt, sie würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernehmen würde. Air Berlin äußerte sich am Wochenende nicht dazu, mit welchen möglichen Partnern derzeit Gespräche geführt werden - auch nicht dazu, wie nahe man dabei einer Lösung ist. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer sprach sich für eine Übernahme durch die Lufthansa aus. "Ich bin dafür, im Rahmen des Rechts die Lufthansa zu stärken. Durch die Übernahme von Air Berlin können wir eine noch stärkere Lufthansa bekommen", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Überbrückungskredit der Regierung wohl noch gar nicht ausgezahlt

Zypries verteidigte erneut den Überbrückungskredit für Air Berlin. Falls die Bundesregierung das Unternehmen nicht durch den Kredit in die Lage versetzt hätte, weiter fliegen zu können, hätten die Flugzeuge auf dem Boden bleiben müssen und Urlauber wären nicht zurück nach Deutschland gekommen. Zudem bleibe so der Wert des Unternehmens und der Flugrechte von Air Berlin erstmal erhalten.

Der Kredit ist einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge aber noch nicht unter Dach und Fach. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte am Sonntag, es laufe alles planmäßig, man sei in der "technischen Umsetzung". Dem Blatt zufolge ist weder der Vertrag unterschrieben noch bisher Geld geflossen.

Der CDU-Wirtschaftsrat schloss sich unterdessen einer Forderung von Zypries an und forderte die Regierung angesichts der Air-Berlin-Pleite auf, die umstrittene Ticketsteuer zur Stabilisierung des Luftverkehrsstandorts abzuschaffen. "Die Politik hat mit Luftverkehrssteuer selbst die Rahmenbedingungen für die Branche deutlich verschlechtert, die sie einseitig mehr belastet als fast alle ihre europäischen Mitbewerber", sagte der Generalsekretär des Verbandes, Wolfgang Steiger, der Deutschen Presse-Agentur.

Das Finanzministerium hatte den Vorschlag der Wirtschaftsministerin allerdings bisher nicht unterstützt, es bestehe nicht die Absicht, die Steuer zu streichen. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) begrüßte den Vorstoß von Zypries.

mg/dpa-afx

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH