Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Kaufvertrag unterschrieben Lufthansa zahlt 210 Millionen für Air Berlin - und nimmt Alitalia ins Visier

Air Berlin wird geschlossen: Die Lufthansa hat den Kaufvertrag unterschrieben
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Air Berlin wird geschlossen: Die Lufthansa hat den Kaufvertrag unterschrieben

Die Lufthansa Börsen-Chart zeigen zahlt für die Übernahme großer Teile der insolventen Air Berlin voraussichtlich etwa 210 Millionen Euro. Das teilte Air Berlin am Donnerstag Mittag mit. Der Preis könne aber noch angepasst werden, wenn der Kaufvertrag vollzogen wird. Die Lufthansa übernimmt demnach die Tochtergesellschaften Niki und Luftfahrtgesellschaft Walter mit zusammen 1300 Beschäftigten sowie 20 weitere Flugzeuge der Air Berlin Börsen-Chart zeigen. Mit dem Bieter Easyjet werde weiter verhandelt.

Mit dem Lufthansa-Geschäft sollte Air Berlin in der Lage sein, den Bundeskredit von 150 Millionen Euro zurückzuzahlen, der die Airline seit dem Insolvenzantrag vor zwei Monaten in der Luft hält. Die Gläubiger haben noch nicht über den Verkauf entschieden, zudem wird die europäische Wettbewerbsbehörde in Brüssel das Geschäft prüfen.

Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus zeigte sich erfreut, mit der Lufthansa "einen starken Partner gefunden" zu haben. Jetzt gehe es darum, "auch mit anderen Bietern die Verträge unterschriftsreif auszuhandeln", erklärte er. Die Vereinbarungen stehen unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den Gläubigerausschuss, den Sachwalter im Insolvenzverfahren sowie die EU-Wettbewerbsbehörde. "Aufatmen" könne Air Berlin erst, wenn die EU-Kommission die Transaktion final bestätigt habe, erklärte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann.

Lufthansa bietet voraussichtlich auch für Teile der Alitalia

Unmittelbar nach der Übernahme großer Teile der Air Berlin hat die Lufthansa die nächste marode Fluggesellschaft im Blick. "Wir haben Interesse an einer neu aufgestellten Alitalia", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag in Frankfurt. Es gilt damit als äußerst wahrscheinlich, dass der deutsche Dax-Konzern an dem bis Montag (16. Oktober) befristeten Bieterverfahren um die einstige italienische Staats-Airline teilnimmt.

Dem Vernehmen nach wird Lufthansa lediglich für Teile der unter Sonderverwaltung stehenden Gesellschaft verbindlich bieten und einen organisatorischen Neuanfang verlangen. In ihrer bisherigen Form gilt die Alitalia als "unsanierbar". Der irische Billigflieger Ryanair Börsen-Chart zeigen war bereits aus dem Bieterrennen ausgestiegen.

Alitalia ist seit Jahren in der Krise und hatte im Mai Insolvenz angemeldet. Dies war bereits vor demselben Schritt bei Air Berlingeschehen, nachdem die gemeinsame Haupteignerin Etihad die finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Die Gesellschaft wird durch einen staatlichen Überbrückungskredit in der Luft gehalten.

Blaupause für einen Deal mit Lufthansa könnte deren Übernahme der Air Berlin sein, wo lediglich Unternehmensteile mit den jeweiligen Start- und Landerechten den Besitzer wechseln sollen. Verwaltung und Technik werden nicht übernommen, und selbst das fliegende Personal muss sich zu großen Teilen neu bei der Tochtergesellschaft Eurowings bewerben und die dortigen Tarifbedingungen akzeptieren.

Kaufvertrag mit Air Berlin unterzeichnet

Zwei Monate nach der Pleite ist die Übernahme eines großen Teils der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa unter Dach und Fach. Beide Unternehmen unterzeichnen am Donnerstag einen entsprechenden Kaufvertrag, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin ankündigte. Für 12.00 Uhr sei der Notartermin geplant. "In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln", sagte Spohr.

Die Aktien beider Unternehmen reagierten mit Kurssprüngen auf die Nachrichten. Die Aktien der Lufthansa Börsen-Chart zeigen kletterten um 3,2 Prozent auf 25,34 Euro, das war der höchste Stand seit Anfang 2001. Die Papiere der insolventen Rivalin Air Berlin Börsen-Chart zeigen schossen um fast die Hälfte auf 23 Cent in die Höhe..

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert.

Gespräche mit Easyjet noch nicht abgeschlossen

Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet Börsen-Chart zeigen über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit Easyjet gelingt, die 20 bis 30 weitere Flugzeuge übernehmen wollen. Der Billigflieger soll kleinere Teile von Air Berlin übernehmen. Spekuliert wird, ob im Falle eines Scheiterns die Thomas-Cook-Tochter Condor wieder als möglicher Käufer ins Spiel kommt.

Spohr hatte der "Rheinischen Post" (Donnerstag) gesagt, die Lufthansa-Tochter Eurowings werde von Air Berlin voraussichtlich 81 der insgesamt 130 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren. Insgesamt 38 Maschinen hat die Lufthansa bereits inklusive Besatzungen von Air Berlin gemietet. Das Geschäft umfasst auch die österreichische Tochter Niki und den Regionalflieger LGW, die beide nicht insolvent sind. Spohr setzt darauf, dass es bis Ende des Jahres grünes Licht von der EU-Kommission für die kartellrechtliche Prüfung gibt.

Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Ticketpreise sollen nicht steigen

Während der Übernahme wird die Lufthansa im Betrieb noch mindestens ein halbes Jahr improvisieren müssen. "Wir werden das irgendwie hinbekommen", sagte Spohr. Das werde aber nicht ohne "Ruckeleien" gehen. Man habe Piloten aus dem Urlaub zurück geholt und fliege innerhalb Deutschlands auch mit Jumbo-Jets, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Tausende Mitarbeiter müssten eingestellt werden, zugleich sei der Übergang der Air-Berlin-Flugzeuge beim Luftfahrbundesamt aufwendig. Ein stabiler Betrieb sei in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. "Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte er der Zeitung. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus." Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. "Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu."

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, "um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich". Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.

mg/dpa/rtr

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