Dienstag, 26. September 2017

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Insolvenz der zweitgrößten deutschen Airline Ex-LTU-Haudegen Wöhrl bietet um Air Berlin mit

Air Berlin-Flugzeuge am Rollfeld: LTU-Sanierer Wöhrl kritisiert die einseitige Strategie zugunsten der Lufthansa

Im Ringen um die Filetstücke der insolventen Air Berlin taucht nun ein langjähriger Partner der Fluglinie auf: Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der vor einem Jahrzehnt seine Fluglinien Deutsche BA (dba) und LTU an Air Berlin verkauft hatte, will die insolvente Fluggesellschaft übernehmen.

Über eine Münchner Kanzlei gab seine Vermögensverwaltung Intro-Verwaltungs GmbH ein formelles Angebot für Air Berlin ab. Ziel der Offerte sei es, die Air Berlin Gruppe als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen, teilte Wöhrls Unternehmen mit. Für sein Vorhaben habe er Rückendeckung von weiteren "Partnern mit hoher Fachkompetenz" sowie Finanzinvestoren.

Diese Gruppe habe schon seit Jahren Interesse an einer Beteiligung an Air Berlin signalisiert, sei jedoch nicht zu Sondierungsgesprächen eingeladen worden. Vom Insolvenzantrag der Airline habe man erst aus den Medien erfahren.

Wöhrls Firma zweifelte auch Aussagen der Bundesregierung und der Leitung von Air Berlin an, wonach der Rückzug des Großaktionärs Etihadüberraschend gekommen sei und im Interesse der Passagiere kurzfristig eine Bürgschaft des Bundes über 150 Millionen Euro gegeben werden müsse. Vielmehr deute manches darauf hin, dass von langer Hand eine einseitige Strategie zugunsten der Lufthansa entwickelt worden sei, kritisierte Wöhrls Unternehmen.

Über sein Interesse an Air Berlin hatten zunächst die "Nürnberger Nachrichten" berichtet. Zu Details der Offerte wollte Wöhrl zunächst keine Angaben machen. Wöhrl, der Ehemann der CSU-Bundestagsabgeordneten Dagmar Wöhrl, ist heute unter anderem an Hotels und an der Kaufhauskette Ludwig Beck beteiligt.

Der deutsche Branchenprimus Lufthansa will sich einen Großteil der Flugzeuge von Air Berlin sichern und drückt bei den Verhandlungen aufs Tempo.

Großes Interesse an österreichischer Tochter "Niki"

Die österreichische Tochter von Air Berlin soll nicht mit in den Strudel der Insolvenz gerissen werden. Es gebe die Zusage der Geschäftsführung, dass der vom Ex-Rennfahrer Niki Lauda gegründeten Niki das nötige Geld zur Verfügung gestellt werde, sagte Betriebsrat Stefan Tankovits in Wien. "Wir haben auch die Anzeichen bekommen, dass Air Berlin sehr interessiert daran ist, hier den Betrieb am Laufen zu halten, um uns dann möglichst reibungslos verkaufen zu können."

Bisher seien alle Überweisungen aus Deutschland erfolgt, ergänzte Peter Stattmann von der Gewerkschaft GPA. "Wir lassen niemanden im Regen stehen", versprach Österreichs Verkehrsminister Jörg Leichtfried. "Unser Ziel ist, heimische Arbeitsplätze zu sichern und dafür zu sorgen, dass die Österreicherinnen und Österreicher gut von ihrem Urlaub nach Hause kommen."

Niki hat bisher nicht Insolvenz angemeldet, hängt aber finanziell am Tropf von Air Berlin, bei der die Zahlungen der Fluggäste ankommen. In der Insolvenz sind Überweisungen aber nicht unproblematisch, weil es darum geht, möglichst viel Geld für die Gläubiger zu sichern.

Bei Übernahme muss mehr als eine Airline zum Zug kommen

Niki gehört zu den wertvollsten Vermögenswerten, die Air Berlin in der Insolvenz zu Geld machen kann. Verhandlungen mit der Lufthansa über eine Übernahme von Teilen von Air Berlin, darunter Niki, laufen. Interesse an der österreichischen Airline haben einem Insider zufolge aber auch andere Unternehmen angemeldet, unter anderem die britische Billigfluglinie Easyjet. Attraktiv sind vor allem die Start- und Landerechte von Niki am Flughafen in der NRW-Metropole Düsseldorf.

Unterdessen warnte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) die Lufthansa davor, sich einer Übernahme von Air Berlin zu sicher zu sein. Aus Wettbewerbsgründen müsse mehr als eine Airline zum Zug kommen. "Natürlich ist die Bundesregierung da nicht vorfestgelegt", sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich dafür starkgemacht, dass die Lufthansa die wesentlichen Teile von Air Berlin bekommt. Das Wirtschaftsministerium stellte klar, dass die Bundesregierung an den Verhandlungen über die Zukunft von Air Berlin nicht beteiligt sei. Der Bund hatte einen Massekredit von 150 Millionen Euro bereitgestellt. Damit soll Zeit gewonnen werden, um eine zukunftsfähige und sinnvolle Lösung zu finden, wie der Sprecher sagte.

wed/dpa/rtr

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