Mittwoch, 20. September 2017

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Vielfliegerprogramm von Air Berlin insolvent Nun bleibt auch Air Berlins Topbonus am Boden

Kein Herz für Vielflieger mehr: Air Berlins Bonusprogramm hat nun ebenfalls Insolvenz angemeldet

Nach der Insolvenz von Air Berlin hat nun auch Topbonus, das Bonusprogramm der Fluggesellschaft, Insolvenzantrag gestellt. "Aufgrund der aktuellen Situation von Air Berlin und dem unmittelbaren Zusammenhang für das Vielfliegerprogramm hatte Topbonus keine andere Wahl, als diesen Schritt zu gehen", teilte eine Sprecherin mit. Das Sammeln und Einlösen von Meilen sei bis auf weiteres nicht möglich. Zuvor hatte die "B.Z." darüber berichtet.

In den vergangenen Tagen hatten Experten mehrfach die Frage aufgeworfen, wie es nun für Meilensammler weitergehen könnte - manager-magazin.de berichtete.

Air-Berlin-Kunden können ihre gesammelten Flugmeilen bereits seit Tagen nicht mehr gegen Gratisflüge oder andere Prämien einlösen. Topbonus ist zu 70 Prozent in der Hand der arabischen Fluglinie Etihad, Air Berlin hält 30 Prozent. Air Berlin hatte am 15. August Insolvenz beantragt, nachdem Großaktionär und Partner Etihad der Fluggesellschaft die finanzielle Unterstützung entzogen hatte.

Air-Berlin-Verfahren werden sich noch "sieben, acht Jahre" hinziehen

Auch nach einem geplanten Verkauf von Air Berlin wird die Aufarbeitung der jüngsten Ereignisse viel Zeit in Anspruch nehmen. Gläubiger der Fluggesellschaft dürfte die Insolvenz voraussichtlich noch jahrelang beschäftigen. "Das Air-Berlin-Verfahren wird sich noch über mehrere Jahre hinziehen", sagte Lucas Flöther, der vorläufige Sachwalter des Unternehmens, dem Magazin "Wirtschaftswoche". "Bei einer Konzerninsolvenz dieser Größenordnung reden wir von einem Zeitraum von sieben, acht Jahren, vielleicht auch mehr."

Erst nach der Verkaufs- und Stabilisierungsphase könne mit der eigentlichen Aufarbeitung der Insolvenz begonnen werden, sagte Flöther. Dabei solle auch die Verantwortung früherer Manager und Aufsichtsräte geprüft werden. "Wir werden genau analysieren, was zur Insolvenz von Air Berlin geführt hat", kündigte Flöther an. "Sollte es Ansprüche gegen frühere Manager oder Aufsichtsräte geben, werde ich diese auch geltend machen."

Flöther hat die Aufgabe, im Auftrag des Insolvenzgerichts zu prüfen, ob bei der Abwicklung der Fluggesellschaft alles korrekt läuft. Damit ist er an allen wichtigen Gesprächen im Rahmen des Insolvenzverfahrens beteiligt.

Zypries skeptisch bei möglicher Komplettübernahme der Airline

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigte sich unterdessen skeptisch, ob eine Komplettübernahme von Air Berlin die beste Lösung für das Unternehmen wäre. Dies sei "zwar legitim", sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel" vom Freitag. Sie fügte aber hinzu: "Ob das substantiell ist, müssen diejenigen entscheiden, die die Verkaufsverhandlungen führen." Fest stehe, "dass Air Berlin mit seinem Geschäftsmodell seit vielen Jahren Verluste schreibt".

Air Berlin hatte vor über einer Woche Insolvenz angemeldet, am Mittwoch hatte der Gläubigerausschuss in seiner konstituierenden Sitzung zunächst beschlossen, den Betrieb und das Insolvenzverfahren fortzuführen. Verhandelt wird derzeit mit der Lufthansa und weiteren Interessenten an AirBerlin. Die Intro GmbH des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl ist kommende Woche zu einem Sondierungsgespräch eingeladen. Auch Ryanair ist an einer Komplettübernahme interessiert.

Airport-Chef rechnet nicht mit steigenden Ticketpreisen

Fraport-Chef Stefan Schulte sieht durch die Air-Berlin-Pleite keine Trendwende bei den Ticketpreisen. "Der Wettbewerb zwischen den Fluglinien wird weiter zunehmen und Fliegen wird daher insgesamt noch günstiger, wenn der Kerosinpreis so niedrig bleibt wie er derzeit ist", sagte der Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Damit werde sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen. Er bedauerte dies, da er sich leicht anziehende Preise wünschen würde. Ein gewisser Anstieg wäre sicher sinnvoll, denn auch die Fluglinien müssen eine vernünftige Rendite erwirtschaften", sagte er. Gleiches gelte für die Flughäfen in Deutschland, von denen nur "eine Handvoll" Gewinne mache.

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