Freitag, 16. November 2018

ABB spaltet sich nicht auf ABB-Chef lässt Großaktionär Cevian abblitzen

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer: Eine Transformation der Sparte Stromnetze unter dem Dach von ABB schaffe den höchsten Wert für Aktionäre und Kunden, ist der Vorstandschef überzeugt. Der aktivistische Aktionär Cevian hatte das Gegenteil gefordert

ABB-Chef Spiesshofer lässt den aktivistischen Cevian auflaufen. Der Konzern spaltet sich nicht auf, hält an seiner Stromnetze-Sparte fest. Cevian kündigt weiteren Widerstand an: "ABB hat bereits lange Zeit zu wenig geliefert."

Der Siemens-Rivale ABB hält trotz der Kritik von Großaktionären an seiner Stromnetze-Sparte fest. Wie der Industriekonzern am Dienstag mitteilte, soll die Sparte in Eigenregie transformiert werden. Dies schaffe im Vergleich zu anderen Optionen wie etwa einem Verkauf oder Börsengang den größten Wert. In der mit einem Umsatzanteil von knapp einem Drittel größten Division sollen die Risiken mit Partnerschaften verringert und die Profitabilität gesteigert sowie das Wachstum beschleunigt werden. Damit wehrt sich ABB gegen die von Cevian geforderte Aufspaltung, wie manager magazin bereits in seiner August-Ausgabe berichtet hatte.

Zugleich will ABB-Chef Ulrich Spiesshofer mit Kooperationen der Kritik seiner Großaktionäre begegnen. An der Stromnetzsparte hält ABB zwar fest, geht dafür aber ein Allianz mit dem US-Bauspezialisten Fluor im Geschäft mit Umspannwerken ein. Bei der Anbindung von Windanlagen auf See wollen die Eidgenossen künftig mit Aibel zusammenarbeiten. Auf dem Gebiet Industrie 4.0 holen sich die Zürcher Microsoft an die Seite.

ABB verkündete am Dienstag zudem ein neues milliardenschweres Aktien-Rückkaufprogramm auf und erhöhte das Sparziel im Gesamtkonzern.

"Bei unserer umfassenden strategischen Portfolio-Überprüfung haben wir mit allen Interessengruppen gesprochen und ihnen aufmerksam zugehört", sagte Spiesshofer. Die Fortsetzung der Transformation der Stromnetze unter dem Dach von ABB schaffe den höchsten Wert für Aktionäre und Kunden, erklärte er. Innerhalb der ABB-Gruppe sei die Division "ideal" positioniert. Den Verkauf des Kabelgeschäfts will der Konzern unterdessen - wie bereits bekannt - im ersten Quartal abschließen.

Vor dem Kapitalmarkttag hatten verschiedene Aktionäre, allen voran die schwedische Beteiligungsgesellschaft Cevian Capital, den schon vor rund einem Jahr aufgebauten Druck auf ABB hinsichtlich einer Abspaltung der Sparte noch erhöht. Die große Mehrheit der Analysten war aber davon ausgegangen, dass ABB die Sparte behalten dürfte.

Cevian: "ABB hat bereits lange Zeit zu wenig geliefert"

Cevian zeigte sich nun enttäuscht über die Entscheidung. Cevian-Co-Chef Lars Förberg: "Wir denken, dass das eine unglückliche Entscheidung ist." Das Kurspotential der ABB-Aktie betrage 35 Franken verglichen mit einem gegenwärtigen Kurs von rund 22 Franken. Cevian werde das ABB-Managementteam daran messen, ob die Aktie die 35-Franken-Marke auch erreiche. Der aktivistische Investor erwarte baldige Fortschritte. "ABB hat bereits lange Zeit zu wenig geliefert."

Unterstützung kam hingegen von dem Großaktionär Investor AB. Auch kann der Konzern bei den Aktionären mit einem bis zu drei Milliarden Dollar schweren Aktienrückkauf-Programm von 2017 bis 2019 und einem höheren Sparziel für den Gesamtkonzern punkten. Der Kurs der ABB-Aktien legte am Dienstag zu.

Analysten zeigten sich vom Festhalten an der Sparte kaum überrascht, lobten aber das höhere Sparziel und die Aktienrückkäufe. Das Sparziel für das laufende Programm (White Collar Productivity) im Gesamtkonzern erhöhte der Konzern um 30 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Zeitrahmen und veranschlagte Kosten bleiben unverändert, hieß es. Der Konzern erhöhte auch das Margenziel (Ebitda zum Umsatz) für die Stromnetze-Sparte um 2 Prozentpunkte auf 10 bis 14 Prozent ab 2018.

Im Bereich Digitalisierung schmiedet der Industriekonzern unterdessen eine Allianz mit Microsoft . Konkret wollen die Konzerne die digitale Transformation in Kundensegmenten wie der Robotik, Schifffahrt, Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien vorantreiben.

Rei/dpa/Reuters

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