Dienstag, 26. Juli 2016

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AB Inbev stockt Angebot für SAB Miller auf Bier-König Carlos Brito kommt bei SAB Miller wohl doch zum Zuge

Carlos Brito: Der AB Inbev-Chef kommt seinem Ziel von der Mega-Fusion auf dem Biermarkt näher

Im milliardenschweren Übernahmepoker um den Braukonzern SAB Miller steigen die Chancen, dass AB-Inbev-Chef Carlos Brito doch noch zum Zuge kommt. Zwar lehnte SAB Miller das nun auf 42,15 britische Pfund (rund 57 Euro) pro Aktie erhöhte Angebot in einer ersten Stellungnahme als zu niedrig ab. Bei SABs größtem Aktionär Altria, der rund 27 Prozent an SAB Miller hält, fiel die Reaktion jedoch anders aus. Der Tabakkonzern signalisiert grundsätzlich Interesse an dem Angebot, das die Briten mit rund 92 Milliarden Euro bewerten würde.

Auch an der Börse kam das Angebot gut an. Die Aktie von SABMiller legte gute 2 Prozent auf 37 Pfund zu.

Mit seinem neuen Angebot hat ABInbev unter der Hand abgegebene Gebote nachgebessert. Diese hatten laut AB InBev bislang bei 38 und 40 Pfund je Aktie gelegen. AB InBev vertreibt in Deutschland Marken wie Becks, Franziskaner, Diebels, Spaten oder Löwenbräu. Die Gilde-Brauerei, bislang auch im Portfolio des brasilianisch-belgischen Weltkonzerns, hat AB Inbev Presseberichten zufolge gerade mit Wirkung zum Jahresende verkauft.

Altria will bei AB Inbev mitmischen - und Brito wird kreativ

Vor allem die Möglichkeit für SAB-Miller-Aktionäre am neuen Getränke-Riesen beteiligt bleiben zu könne, stieß beim Großaktionär Altria (unter anderem Marlboro) auf Gegenliebe.

Diese Option wurde laut Brito in Zusammenarbeit mit den beiden Großaktionären Altria und Bevco ausgearbeitet. Altria kündigte - vorbehaltlich der endgültigen Regelung - an, sich wohl für die Alternative entscheiden zu wollen, bei der zumindest ein Teil der SAB-Aktien in AB-Inbev-Anteilsscheine umgewandelt wird

Laut dem in der "Financial Times" veröffentlichtem Vorschlag sollen die SAB-Aktionäre ihre Aktien auch gegen 2,37 Pfund in Cash sowie eine 0,48 prozentigen Aktienanteil an AB InBev umtauschen können. Allerdings müssten sie das Papier zunächst mindestens fünf Jahre halten müssen und es würden Sonderbedingungen gelten.

Ringen um die Gunst der Großaktionäre

Nun muss AB-Chef Carlos Brito noch den zweitgrößten SAB-Aktionär Bevco auf seine Seite ziehen. Ein Vorhaben, dem er nach eigenen Aussagen mit Zuversicht entgegensieht. Bevco, das private Investmentvehikel der urspünglich aus Kolumbien stammenden kolumbianischen Milliardärsfamilie Santo Domingo hält 15 Prozent an SAB. Auch mit ihnen hat Brito nach eigenen Angaben bereits über einen möglichen Aktientausch gesprochen.

Ein Kauf von SABMiller durch AB Inbev wäre der größte Deal in diesem Jahr und eine der größten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte. Gemeinsam wären beide Unternehmen - schon heute die Nummer eins und zwei im Biergeschäft - bereits Ende 2014 auf einen globalen Marktanteil von mehr als 30 Prozent gekommen: Knapp jedes dritte Bier weltweit käme damit aus den Braukesseln des neuen Konzerns. Zusammen würden die Firmen einen Umsatz von jährlich 64 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 24 Milliarden Dollar erzielen, wie AB Inbev vorrechnete.

Wer noch profitieren wird

Für AB Inbev ist der Deal vor allem wegen der starken Präsenz von SAB Miller im wachstumsstarken afrikanischen und asiatisch-pazifischen Raum interessant. AB Inbev ist hingegen in Mittel- und Südamerika stark sowie in China und in den USA.

Vor allem in den USA rechnen die Experten daher auch mit Auflagen der Wettbewerbsbehörden im Falle einer Fusion. Bereits bei einer vorherigen deutlich kleineren Übernahme im Jahr 2013 als AB Inbev für rund 20 Milliarden Dollar die mexikanische Grupo Modelo übernahm, musste der Getränkeriese auf Druck der Behörden einzelne Geschäftsbereich abgeben. Sollte dies wie erwartet der Fall sein, könnte davon der Brauereikonzern Molson Coors profitieren, SABs US-amerikanischer Joint-Venture-Partner in MillerCoors, der womöglich AB Inbevs-Anteil am Joint-Venture übernehmen könnte.

Sollte der Deal über die Bühne gehen, könnte der neue Getränkeriese Weltmarken wie Beck's, Budweiser, Stella Artois mit bekannten SAB-Namen wie Foster's, Pilsner Urquell und Grolsch unter einem Dach vereinen.


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mit dpa-afx

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