Sonntag, 19. November 2017

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Übernahmen Die neuen Herren aus China

Millionenkredit statt Jobabbau: Dietrich Eickhoff, Chef des Bielefelder Nähmaschinenherstellers Dürkopp Adler, hat mit den neuen Eignern aus China gute Erfahrungen gemacht
Christian Burkert für manager magazin
Millionenkredit statt Jobabbau: Dietrich Eickhoff, Chef des Bielefelder Nähmaschinenherstellers Dürkopp Adler, hat mit den neuen Eignern aus China gute Erfahrungen gemacht

Chinesische Firmen steigen bei deutschen Unternehmen ein oder übernehmen sie ganz. Es geht um Know-How und um Absatzmärkte. Was ändert sich für Firmen, wenn Chinesen die Führung übernehmen? Vier Unternehmen berichten. Heute: Der Nähmaschinen-Hersteller Dürkopp Adler.

Chinesen steigen bei Daimler Börsen-Chart zeigen ein. Sinopec übernimmt BASF Börsen-Chart zeigen . Baosteel kauft ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen. So oder ähnlich könnten die Schlagzeilen von morgen oder übermorgen lauten. Denn immer mehr chinesische Unternehmen werden jenseits ihrere Grenzen aktiv und kaufen sich dort ein.

Derzeit sind es hierzulande noch nicht die Dax-Konzerne, die die Chinesen im Visier haben. Noch nicht. Sie schauen sich eher in der zweiten und dritten Liga um, kaufen da mal einen Mittelständler, steigen dort mal bei einem M-Dax-Unternehmen ein.

Sie sind die Vorboten einer Entwicklung, die unaufhaltbar ist. Chinesische Firmen - ob privat oder staatlich - werden bei deutschen Unternehmen einsteigen oder sie ganz übernehmen. Ihre Motive sind klar. Sie sind vor allem an zwei Dingen interessiert: Am technologischen Know-How, aber auch am europäischen Absatzmarkt, für den das große Deutschland ein gutes Sprungbrett ist.

Aber auch wir brauchen zunehmend die chinesischen Investoren, denn sie haben etwas, was hier im Westen nach der globalen Finanzkrise nicht mehr im Überfluss vorhanden ist: Kapital. Vor allem die großen chinesischen Staatskonzerne, die meist Monopolisten sind und ihre stattlichen Dividenden behalten dürfen, sitzen auf gigantischen Cash-Positionen. Dazu kommt der Staatsfonds China Investment Corporation (CIC), der mehrere Hundert Milliarden Euro in der Kasse hat und für diese weltweit nach Anlagemöglichkeiten sucht.

Was ändert sich unter chinesischer Führung? Vier Firmen berichten

Wir werden uns also - ob es uns passt oder nicht - an chinesische Eigner deutscher Firmen gewöhnen müssen. Aber wie werden sich die neuen Herren aufführen? Werden sie ihre deutsche Töchter anders führen, vielleicht strenger, straffer, autoritärer? Wie wird die Belegschaft auf die ungewohnten Besitzer aus dem fernen fremden China reagieren?

Antworten auf diese Fragen kann man heute schon finden - und zwar bei den Unternehmen, die bereits im Besitz von Chinesen sind. manager magazin hat sich in solchen Firmen umgesehen und mit Management sowie Belegschaft über ihre Erfahrungen mit den Besitzern aus Fernost gesprochen.

Heraus kam ein Bild, das etwas anders aussieht als jenes, das viele hier gemeinhin von den chinesischen Aufkäufern zeichnen. Sie bauen hierzulande nicht alles ab, um es 8000 Kilometer weiter im Osten wieder aufzubauen. Sie sind nicht nur scharf auf die Patente. Sie fallen nicht mit Heerscharen in die Büros und Fabrikhallen ihrer deutschen Unternehmen ein, um dort alles zu dominieren. Sie schicken keine Aufpasser zu ihren deutschen Töchtern, die permanent ihr deutsches Management überwachen und trietzen. Und sie suchen nicht nur den kurzfristigen Erfolg, sondern sind an einem langfristigen Engagement interessiert.

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