Dienstag, 19. März 2019

Weltgrößte Industrieschau Merkel erwartet industrielle Revolution

Bundeskanzlerin Merkel mit Russlands Präsident Putin: "Für wirtschaftlichen Wohlstand ist eine offene Atmosphäre in einer möglichst pluralistischen Gesellschaft unerlässlich"

Die Hannover Messe hat ihre Tore geöffnet. Kanzlerin Merkel blickt bei ihrer Eröffnungsrede zuversichtlich auf die Branche und spricht sogar von einer neuen industriellen Revolution. Partnerland ist dieses Jahr Russland, dessen Präsident sich von Merkel Kritik gefallen lassen muss.

Hannover - Die Industrie stehe durch das derzeitige Zusammenwachsen von Informationstechnik, Datenverarbeitung und industrieller Fertigung vor einem neuen Innovationssprung, der mit der Entwicklung der Dampfmaschine zu vergleichen sei, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der Hannover Messe gestern Abend. "Ich sehe in dieser Entwicklung eine Riesenchance für Deutschland als klassisches Industrieland, als Maschinenbauland."

Die neue Entwicklungsweise von Produkten, die von Maschinen mitgestaltet werde, verändere die Abläufe in der Industrie dramatisch und verändere auch Debatten etwa über den Kopierschutz, sagte Merkel. Damit könne der Vorsprung der USA wettgemacht werden, den das Land bei der Entwicklung der IT-Branche habe.

"Nachdem die Entwicklung des Internets sehr stark geprägt wird durch die Vereinigten Staaten von Amerika und den dortigen Firmen, haben wir in Deutschland und Europa jetzt wieder Chancen, in der integrierten Industrie, der "Industrie 4.0", eine deutliche Spur zu hinterlassen", sagte Merkel.

Merkel mahnt starke Zivilgesellschaft in Russland an

Merkel eröffnete die Messe gemeinsam mit Wladimir Putin, dem Präsidenten des diesjährigen Partnerlandes. In ihrer Eröffnungsrede sprach sie auch das jüngste russische Vorgehen gegen zivile Einrichtungen an, indem sie auf die Bedeutung einer offenen Gesellschaft hinwies. Damit überschatten die aktuellen Verstimmungen im deutsch-russischen Verhältnis die wirtschaftlichen Aspekte der weltgrößten Industrieschau.

Für wirtschaftlichen Wohlstand sei eine offene Atmosphäre in einer möglichst pluralistischen Gesellschaft unerlässlich, betonte Merkel. "Wir sind der Überzeugung, dies gelingt dann am besten, wenn es eine aktive Zivilgesellschaft gibt", sagte sie in der Stadthalle der niedersächsischen Landeshauptstadt.

In Russland hatten jüngst Razzien bei zivilen Einrichtungen auch deutsche Organisationen getroffen, darunter die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung. Hintergrund ist ein neues Gesetz, wonach sich Einrichtungen in Russland, die Geld aus dem Ausland erhalten, als "Agenten" registrieren lassen müssen.

Merkel hatte das Vorgehen der Behörden bereits vor der Messe-Eröffnung mit Putin am Telefon erörtert und weiteren Gesprächsbedarf für Hannover angekündigt. Putin wird seit längerem vorgeworfen, Menschenrechte zu verletzen und die weitere Entwicklung der Demokratie in seinem Land zu blockieren.

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