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21.02.2013
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Deutsche Firmen im Visier
Das Comeback der Firmenjäger

Deutsche Industrie: Nicht nur in den USA sind Firmenjäger aktiver geworden
DPA

Deutsche Industrie: Nicht nur in den USA sind Firmenjäger aktiver geworden

Firmenjäger sind zurück: Das Volumen der Private-Equity-Deals hat sich seit Jahresbeginn gegenüber Vorjahr mehr als verdreifacht. Die Verkäufe von Heinz Ketchup und Dell prägen das Bild - doch auch in Deutschland haben Investoren Firmen wie Ista, Sachtleben oder CeramTec im Visier.

Berlin - Die Firmenjäger sind in den vergangenen Jahren in Europa vielerorts von der Bildfläche verschwunden. Mangels Krediten und Kaufgelegenheiten waren sie zur Untätigkeit verdammt und mussten sich um mehr oder weniger krisengeschüttelte Unternehmen im eigenen Portfolio kümmern. Sie kamen nur bei sehr wenigen und eher kleineren Verkaufsprozessen zum Zug. Das sorgte für Frust bei den erfolgsverwöhnten Private-Equity-Managern, die vor der Krise noch milliardenschwere Großkonzerne ins Visier genommen hatten.

Doch seit ein paar Monaten hellt sich das Bild auf: Die Investoren kommen etwas besser an Kredite - und die ersten Milliarden-Transaktionen sind wieder in Reichweite. In den USA sieht die Situation für die Branche schon längst viel positiver aus. Dort fanden gerade die beiden größten Übernahmen unter Beteiligung von Finanzinvestoren seit den Boomjahren 2006/2007 statt. Der Investor Warren Buffett und das Private-Equity-Haus 3G kauften den Ketchup-Produzenten H.J. Heinz für 28 Milliarden Dollar. Und Silver Lake mischte mit bei dem knapp 25 Milliarden Dollar schweren Verkauf des Computerherstellers Dell.

Dank dieser Mega-Transaktionen war das Volumen der Private-Equity-Deals nach Daten von Thomson Reuters seit Jahresbeginn mehr als drei Mal so hoch wie im gleichen Zeitraum 2012. Knapp 90 Prozent davon gingen in den USA über die Bühne. Grund genug für Optimismus der Branche, die sich nächste Woche in Berlin zu ihrem jährlichen Stelldichein trifft. Mehr als 1400 Private-Equity-Manager werden zu der Messe "SuperReturn" (Super Rendite) erwartet, auf der Investorenlegenden wie KKR -Mitgründer Henry Kravis und CVC-Partner Rob Lucas sprechen sollen.

Messe "Super Return" in Berlin: Milliardendeals im Visier

Zu den größten Kaufobjekten auf dem deutschen Markt gehört der Energiedienstleister Ista, für den sich die Finanzinvestoren Charterhouse und CVC bis zu drei Milliarden Euro erhoffen. Die beauftragten Banken schicken Finanzkreisen zufolge in diesen Tagen die Verkaufsprospekte an mögliche Bieter.

Große Private-Equity-Häuser dürften angesichts der stabilen Einnahmen von Ista Schlange stehen. Sie kommen auch für zwei zum Verkauf stehende deutsche Beteiligungen des US-Chemiekonzerns Rockwood in Frage: Sachtleben, einen Produzenten von Titandioxid, das in Farben oder in Zahnpasta vorkommt, und den Hochleistungskeramik-Hersteller CeramTec.

"In diesem Jahr werden wir erstmals wieder eine steigende Anzahl von Milliarden-Transaktionen sehen", ist sich Rainer Langel sicher, der das Deutschland-Geschäft der australischen Investmentbank Macquarie verantwortet. Er begründet seinen Optimismus vor allem mit den besseren Finanzierungsmöglichkeiten. Anders als in den USA seien Kredite in Europa zwar noch nicht wieder so leicht zu bekommen wie in den Boom-Zeiten. "Aber auch in Europa lässt sich für gute Assets derzeit ohne Probleme eine Finanzierung auf die Beine stellen."

Große Deals schon wieder kreditfinanziert

Investoren lassen durchblicken, dass größere Deals derzeit schon wieder zum größten Teil mit Krediten finanziert werden können, die dann den übernommenen Unternehmen aufgebürdet werden. In den vergangenen Jahren haben die Beteiligungsfirmen maximal 50 Prozent des Kaufpreises von den risikoscheuen Banken geliehen bekommen. Der Rest muss mit Eigenkapital aufgebracht werden, das die Private-Equity-Häuser bei Geldgebern wie Versicherungen und Pensionsfonds einsammeln.

Die fordern beim späteren Verkauf der Firmen bessere Renditen als sie der Aktienmarkt bringt. Je mehr Schulden eingesetzt werden, desto höher ist potenziell die Rendite. Aber es steigt auch das Risiko: Denn kommt es zu einem drastischen Wirtschaftsabschwung, werden viele Firmen von der Schuldenlast erdrückt. So gab es in den vergangenen Krisenjahren die eine oder andere Pleite von Private-Equity-geführten Unternehmen.

Weltweit haben Firmenjäger nach Daten des Brancheninformationsdienstes Preqin knapp 350 Milliarden Dollar an Munition. Zahlreiche Investoren wie Permira, Apax oder Apollo sammeln dieses Jahr frische Mittel ein. Laut Preqin streben allein die zehn größten Fonds insgesamt 84 Milliarden Dollar für Mega-Deals an. Wie erfolgreich sie sein werden, hängt aber nicht nur von den Perspektiven ab.

Auch die Erfahrungen, die Geldgeber mit den Finanzinvestoren gemacht haben, spielen eine wichtige Rolle. Dabei haben die großen und bekannten Namen Vorteile. "Gerade einige kleinere Häuser haben in den vergangenen Jahren nicht die versprochene Rendite gebracht", sagt ein Banker, der Finanzinvestoren berät. "Da wird das Fundraising dieses Jahr sehr spannend werden."

von Philipp Halstrick und Arno Schuetze, Reuters

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