Mittwoch, 12. Dezember 2018

Dreamliner-Desaster Was Boeing das Flugverbot kostet

Boeings Pannenflieger: Dreamliner in Turbulenzen
REUTERS/ Kyodo

3. Teil: Warum Airbus nicht profitieren wird

Sollte allerdings eine Neukonstruktion der Batterie nötig werden oder sich herausstellen, dass Lithium-Ionen-Batterien generell nicht tauglich sein, wäre dies ein weit größeres Problem. "Bei neuen Entwicklungen, Tests und Genehmigungsverfahren kann man mindestens von einem halben Jahr Verzögerung ausgehen", sagt Großbongardt. Die Schadenssumme dürfte sich entsprechend vervielfachen.

Dass Erzkonkurrent Airbus von der Schlappe Boeings profitiert, ist allerdings nicht wahrscheinlich. "Es muss schon einiges passieren, bis eine Airline zu einem anderen Anbieter wechselt", sagt Pontius. Der Grund: Piloten, Servicepersonal und Mechaniker können dann am effizientesten arbeiten, wenn sie sich auf ein Flugzeugmuster eingestellt haben. "Die meisten Airlines versuchen daher, ihre Flieger nicht zu mischen."

Ein weiterer Grund: Airbus lässt mit seiner Antwort auf den Dreamliner bis heute auf sich warten. Der ebenfalls aus Karbonfasern und ebenfalls mit reichlich Lithium-Ionen-Batteriepower bestückte A350 befindet sich noch im Entwicklungsstadium. Im Sommer soll er seinen Erstflug absolvieren. Die Auslieferung ist - bislang - im kommenden Jahr geplant.

Dass Airbus-Boss Brégier zuletzt auf Schmähungen gegenüber Boeing verzichtete, hängt wohl auch nicht zuletzt mit den Startproblemen des Riesenflieger A380 zusammen. Denn die 747-Alternative von Airbus hatte wiederholt wegen Haarrissen für Schlagzeilen gesorgt.

Air India und LOT preschen lautstark vor

Das Poltern überlässt Airbus lieber anderen. Allen voran Fluggesellschaften wie der Air India und der polnischen LOT. Letztere hat als erste Schadensersatzforderungen angekündigt. Und auch der indische Luftfahrtminister Ajit Singh hat bereits öffentlich verkündet, dass die staatliche Air India nach dem Abschluss der Sicherheitsüberprüfung der US-Behörden Schadenersatzforderungen stellen werde.

Dass sich nun die ohnehin mit Überkapazitäten ringende Air India und die mit lediglich zwei Bestellungen kaum betroffene polnische Luftlinie LOT so offensiv im Hinblick auf Schadenersatz positionieren, führt in Branchenkreisen zu einem müden Lächeln. Zumal die Folgen bei den japanischen Luftfahrtgesellschaften mit ihren 24 bereits ausgelieferten Dreamlinern und der hohen Auslastung weit erheblicher sind als bei LOT oder Air India. "Airlines wie Japan Airlines haben einige Routen wie Tokio-Boston extra für den Dreamliner aus der Taufe gehoben", sagt John Strickland, Airline-Experte und Director von JLS Consulting.

Dass sich nun ausgerechnet die zwei schwer getroffenen japanischen Airlines so zurückhaltend äußern, mag auch andere Gründe haben. So wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters jüngst bekannt, dass sich, auf das Betreiben von All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) hin, ein Beratergremium des japanischen Verkehrsministeriums offenbar für eine Lockerung der Sicherheitsstandards der Maschinen entschieden habe. Dies ist auch insofern bedeutsam, als dass japanische Firmen rund 35 Prozent der Bauteile der Boeing 787 liefern - von der Karbonfaser in den Flügeln bis hin zur Elektronik und den Batterien, die nun im Fokus der Untersuchungen stehen.

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