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23.01.2013
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Siemens-Hauptversammlung
Signale von Unmut und Enttäuschung

Von Cornelia Knust  und Thomas Katzensteiner

Erklärungsbedarf: Siemens-Chef Peter Löscher (rechts) und sein Finanzchef Joe Käser (links) während der Hauptversammlung in München
AFP

Erklärungsbedarf: Siemens-Chef Peter Löscher (rechts) und sein Finanzchef Joe Käser (links) während der Hauptversammlung in München

Die Abspaltung von Osram und das Sparprogramm hätten Topthemen der Siemens-Hauptversammlung werden sollen. Doch die Zweifel an der Führungsstärke des Managements und an der Effektivität des Aufsichtsrats werden heute im Vordergrund stehen. Die Aktionäre sind unzufrieden.

München - Auf der Hauptversammlung 2011 wurden sie bejubelt, 2012 nur äußerst zahm kritisiert, doch auf dem diesjährigen Siemens-Aktionärstreffen geht es ans Eingemachte: Das Gespann aus Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, 69, und dem von ihm einst im Alleingang ausgesuchten Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher, 55, wird heute in der Münchener Olympiahalle wohl vor allem für das Weglächeln von Schmähungen bezahlt.

Der eine gibt das Bild eines selbstherrlichen Chefkontrolleurs, der an seinem Stuhl klebt, der andere eines zaudernden Konzernlenkers, der die ihm zugedachte Rolle nicht voll ausfüllt und häufig unbedacht handelt. Die Kommentare von Fonds-Managern und Sprechern der Aktionärsvereine im Vorfeld signalisieren Unmut und Enttäuschung. Auch die Zahlen für das erste Quartal im neuen Geschäftsjahr, die Siemens am Mittwoch Morgen präsentierte, fielen äußerst durchwachsen aus.

Bei Siemens Chart zeigen herrscht zwar noch keine Not. Im Gegensatz zur Schmiergeldaffäre bei Siemens 2006/2007 sind das geradezu beschauliche Zeiten. Auch die unveränderte Dividende von 3 Euro könnte die Aktionäre im Grunde versöhnlich stimmen. Ebenso kann man das Aktienrückkaufprogramm auf Pump, das eine komplette Abkoppelung des Siemens-Kurses von Kapitalmarktgeschehen verhinderte, lobend erwähnen.

Ein ambitioniertes Sparprogramm ist angeschoben. Niemand stellt zudem infrage, dass Siemens immer noch ein höchst erfolgreiches und technologisch beeindruckendes Unternehmen ist. Doch wie es geführt wird, wie Ziele gesetzt und wieder kassiert werden, wie das Portfolio mit unscharfen Argumenten umsortiert wird, wie Töchter oft zu teuer zugekauft und unprofessionell integriert werden, das irritiert die Anteilseigner.

Jedes Jahr Sonderlasten

Mancher Aktionär wird sich vielleicht die philosophische Frage stellen, ob der Konzern aufgrund seiner Größe vielleicht einfach nicht zu steuern ist. Denn jedes Jahr Sonderlasten, die einen Prozentpunkt Marge kosten, das kann ja nicht normal sein.

Mancher sieht den Fehler allein beim Spitzenpersonal. "Ich denke, dass es besser wäre, einen Wechsel an der Spitze des Unternehmens vorzunehmen", sagt etwa der Senior Portfolio-Manager Peter Ott von Mainfirst. "Die Amtszeit hat außer der Bereinigung der Korruptionsaffäre eigentlich keine nennenswerte Erfolge gebracht".

Der aktuelle Finanzvorstand Joe Kaeser habe bei Investoren und Analysten einen bedeutend besseren Ruf als Löscher, und das sei auch im Unternehmen selbst der Fall. Die Ablösung Löschers wäre sicher ein Befreiungsschlag für die Aktie, denn Potential habe der Konzern auf jeden Fall. "Im Übrigen würde ich Herrn Cromme vorschlagen, doch vom Aufsichtsratsvorsitz zurückzutreten", sagt der Manager weiter. "Ich finde generell, dass er keine gute Arbeit leistet, sowohl bei Siemens als auch bei ThyssenKrupp"; das manager magazin hat Cromme genau zu dieser Frage in der aktuellen Ausgabe interviewt.

Andere Fondsmanager planen laut vorab verbreitetem Redetext versöhnlichere Signale, halten Cromme die Stange und fordern von Löscher nur ein härteres Durchgreifen, ein besseres Risikomanagement und ein Ablassen vom fatalen Ziel der 100 Milliarden Euro Umsatz.

Britisch vornehm, gleichwohl unmissverständlich äußert sich auf Anfrage Hans-Christoph Hirt vom Investmenthaus Hermes: "Wir sind unzufrieden mit der wenig disziplinierten Wachstumsstrategie in den letzten zwei Jahren und der daraus resultierenden Entwicklung des operativen Geschäfts." Und: "Herr Cromme sollte klarer zum Thema Nachfolgeregelung kommunizieren."

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