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18.01.2013
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ThyssenKrupp
Ruhrbaron Berthold Beitz behält die Ruhe

Aus Bochum berichtet Arvid Kaiser

Der Patriarch glättet die Wogen: Berthold Beitz (links) im Gespräch mit Chefkontrolleur Gerhard Cromme
AP

Der Patriarch glättet die Wogen: Berthold Beitz (links) im Gespräch mit Chefkontrolleur Gerhard Cromme

Auf der Hauptversammlung des Krisenkonzerns ThyssenKrupp rechnen die Aktionäre mit der Führung des Unternehmens ab. Chefkontrolleur Gerhard Cromme wirkt angeschlagen, kann sich aber auf mächtige Unterstützer verlassen - zum Beispiel auf Ruhrbaron Berthold Beitz.

Bochum - Nach dem Auftritt des Patriarchen ist alles klar. Berthold Beitz braucht nicht einmal etwas zu sagen. Allein der überraschende Besuch des 99-jährigen Herrens von der Villa Hügel auf der Hauptversammlung des angeschlagenen Industriekonzerns ThyssenKrupp ist eine Botschaft - und dass sich der Patriarch vor dem Bochumer Ruhrcongress zusammen mit Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zeigt.

Denn vor allem um Crommes Zukunft geht es auf diesem Aktionärstreffen. Der 69-Jährige, der den Konzern mit der Fusion von Thyssen und Krupp erst erschaffen hat, wird von vielen für das milliardenschwere Stahlwerksdebakel in Brasilien und den USA, das die Existenz des Konzerns gefährdet, ebenso verantwortlich gemacht wie für die Kartell- und Korruptionsskandale, die den Ruf ramponiert haben.

Als "größte Teflonpfanne der Republik" schmäht ihn der Münchener Rechtsanwalt Oliver Krauß, der Crommes Abwahl als Versammlungsleiter fordert. Der lässt darüber nicht abstimmen.

Nervös ist der sonst so souveräne Cromme durchaus. Er stützt sein Kinn auf die gefalteten Hände, während Vorstandschef Heinrich Hiesinger redet. Mehrfach hält er Rücksprache mit dem Notar, verzettelt sich im Ablauf der Versammlung. In seiner Rede versucht er einen Spagat. Der Aufsichtsrat, der für einen Neuanfang den halben Vorstand entlassen hat, verstehe sich "in dieser schwierigen Zeit als Partner des Vorstands und als Brückenbauer. Wir erhalten das, was gut ist, und werden das Neue ermöglichen." Schon im Interview mit dem manager magazin hatte er in einem Satz "Mea Culpa" und "Wir sind auf dem richtigen Weg" gesagt.

Viele Aktionäre wollen Neuanfang ohne Cromme

Im Saal ist er mit der Auffassung, "diesen Kraftakt können wir nur gemeinsam schaffen", deutlich in der Minderheit. Die meisten wollen den Neuanfang ohne Cromme. Internationale Aktionärsberater wie ISS oder Hermes empfehlen, dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Auch deutsche Fondsgesellschaften wie DWS, Deka oder Union Investment und die Aktionärsschützer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) schließen sich an.

Die Kollegen von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wollen die Abstimmung vertagen, weil "noch Fragen offen" seien. Zudem verlangen sie einen Sonderprüfer zu Kartellfällen und Luxusreisen auf Firmenkosten. "Gutachten pflastern Ihren Weg", ätzt DSW-Geschäftsführer Thomas Hechtfischer über die zahlreichen Rechtsexpertisen, die den Führungsorganen fehlerfreies Handeln bescheinigen. Crommes auf die entlassenen Vorstände bezogenes Argument, rechtlich Zulässiges sei nicht unbedingt unternehmerisch gut, könnte auch auf ihn zurückfallen.

Allein, die große Koalition der Kritiker hat schlechte Karten. Die von Berthold Beitz vertretene Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung entscheidet an der Ruhr über Wohl und Wehe. Sie hält zwar nur gut 25 Prozent am Grundkapital. Weil nicht alle Aktionäre anwesend sind, vereint sie aber 40 Prozent der vertretenen Stimmen. Zudem hat sie seit 2007 das Sonderrecht, drei Aufsichtsräte ohne Abstimmung direkt zu entsenden (so kam auch bis zum Jahreswechsel SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in das Gremium).

Das bedeutet: Wenn Ruhrpatriarch Beitz will, kann Cromme weitermachen. Mit einem Abstimmungsergebnis ist in Bochum jedoch erst am frühen Abend zu rechnen.

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