Dienstag, 30. Juni 2015

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Hauptversammlung ThyssenKrupp-Aufsichtsrat verzichtet auf Hälfte der Vergütung

ThyssenKrupp-Cher Heinrich Hiesinger (links, mit Chefaufseher Cromme): "Alte Führungskultur war an vielen Stellen von Seilschaften und blinder Loyalität gekennzeichnet."

Der Aufsichtsrat des Stahlkonzerns ThyssenKrupp verzichtet wegen des Debakels mit seinen Stahlwerken in Amerika auf die Hälfte seiner Vergütung. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger verteidigt unterdessen seinen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gegen Vorwürfe.

Essen - Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte am Freitag auf der Aktionärshauptversammlung des Konzerns in Bochum, die Mitglieder des Kontrollgremiums hätten beschlossen, für das Jahr 2012 auf die Hälfte der Vergütung zu verzichten.

Die Stahlwerke in Brasilien und den USA sind für ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen massive Verlustbringer. Alleine im vergangenen Jahr schrieb das Unternehmen rund 3,6 Milliarden Euro auf die Werke ab. Insgesamt gab ThyssenKrupp für die Standorte in Übersee - auch wegen Baumängeln - bislang zwölf Milliarden Euro aus.

Das abgelaufene Geschäftsjahr schloss ThyssenKrupp mit einem Verlust von 4,7 Milliarden Euro ab. Die beiden Werke in Übersee will der Konzern verkaufen und befindet sich in Gesprächen mit Interessenten.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat seinen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme unterdessen gegen Vorwürfe in Schutz genommen, die Probleme beim Essener Stahlkonzern nicht nachdrücklich genug angegangen zu sein. Hiesinger sagte am Freitag auf der Hauptversammlung des größten deutschen Stahlkonzerns in Bochum, es sei der Aufsichtsrat unter der Führung Crommes gewesen, der den derzeitigen Wandel bei dem Unternehmen eingeleitet habe.

Hiesinger: "Alte Führungskultur von Seilschaften gekennzeichnet"

Von Anfang an habe er für seinen Erneuerungskurs die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat erhalten, auch bei schwierigen Entscheidungen wie dem Verkauf der Edelstahlsparte oder des amerikanischen Stahlgeschäfts, sagte Hiesinger. Der Konzernchef räumte ein, bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren sei ihm nicht annähernd bewusst gewesen, wie tiefgreifend der nötige Veränderungsprozess sein werde.

"Unsere alte Führungskultur war an vielen Stellen von Seilschaften und blinder Loyalität gekennzeichnet. Fehlentwicklungen wurden lieber verschwiegen als korrigiert", sagte Hiesinger.

Der eingeleitete Erneuerungsprozess sei schmerzhaft. Doch gebe es dazu keine Alternative. "Wer dabei nicht mitzieht, hat bei uns nichts zu suchen", sagte Hiesinger.

la/apd/reuters

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