Freitag, 14. Dezember 2018

Flughafen BER Bosch und Siemens weisen Schuld am Flughafendebakel von sich

Haustechnik in Schönefeld: Die kilometerlange Entrauchungsanlage muss 3,4 Millionen Kubikmeter Luft pro Stunde absaugen können

3. Teil: Piratenpartei springt Konzernen zur Seite

Die niederländische Gebäudetechnikfirma Imtech, die im Verein mit der finnischen YIT den Zuschlag für die gesamte Sanitär-, Heizungs-, Kälte-, Lüftungs- und Klimaanlage im Terminal erhalten hatte und somit für das Herzstück der Brandschutzanlage sorgt, lehnt einen Kommentar unter Verweis auf die Pressestelle des Flughafens ab. "Wir haben uns nicht zu verteidigen", sagt ein Sprecher lapidar.

Die Telekom wehrte sich bereits im vergangenen Jahr dagegen, im Zusammenhang mit der Brandschutzanlage genannt zu werden. Tatsächlich ist die Konzerntochter T-Systems für die gesamte Datentechnik im Terminal zuständig - die ebenfalls vom Flughafen als mangelhaft gerügt wurde. Das Unternehmen legt Wert auf die Feststellung, nur mit dem Einbau, nicht mit dem Betrieb der Technik beauftragt worden zu sein. "Alle von uns erbrachten Leistungen wurden fristgerecht umgesetzt und sind vom Auftraggeber abgenommen worden", erklärt eine Sprecherin.

Unterstützung bekommen die Firmen von der Berliner Opposition, die mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss gegen Wowereit punkten will. "Für Verfehlungen der Baufirmen über das normale Maß hinaus sehe ich keine Indizien", sagt der Piraten-Abgeordnete Martin Delius, der den Ausschuss leitet, gegenüber manager magazin online. Er halte die "Mär von den Firmen, die den Flughafen kaputtgebaut haben" für "Quatsch". Hier und da sei wohl nicht so gebaut worden wie geplant. Aber mit einem "vernünftigen Controlling hätte es all das nicht geben dürfen".

Andere Großprojekte zeigen: Volkszorn verraucht wieder

Dennoch könnte die neue Linie für Platzeck und Wowereit Erfolg versprechen, falls die Flughafentechniker nun doch ernste Fehler der Firmen belegen können. Wowereit entkräftet grundsätzliche Kritik an der Rolle der Politiker in derartigen Großprojekten mit dem Verweis auf die Hamburger Elbphilharmonie, die unter der Regie des privaten Baukonzerns Hochtief Börsen-Chart zeigen auf wesentlich drastischere Kostensteigerungen und Verzögerungen kommt als der Berliner Flughafen.

In ähnlichen öffentlichen Vorhaben richtete sich der Volkszorn bald gegen die beteiligten privaten Konzerne: beim Bau der Kölner Nord-Süd-U-Bahn, über deren Grube am Waidmarkt 2009 das historische Stadtarchiv einstürzte, gegen Bilfinger Börsen-Chart zeigen; beim Lkw-Gebührensystem Toll Collect gegen das Konsortium aus Daimler Börsen-Chart zeigen und Deutscher Telekom Börsen-Chart zeigen - Fehler in Planung und Aufsicht wogen dann nicht mehr so schwer.

Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), bisher um keine Sticheleien gegen die SPD-Kollegen in den Ländern verlegen, schließt sich der Konzernkritik nun an und droht im Bayerischen Rundfunk "gegebenenfalls saftige Schadensersatzforderungen" gegen noch nicht näher benannte Schuldige an.

Die vorigen Beispiele zeigen aber auch, dass die Politik sich nicht vollständig von den Konzernen abwenden kann, denen sie die Projekte einmal anvertraut hat. Hamburg hat sich im Dezember nach langem Streit doch noch mit Hochtief geeinigt, die Elbphilharmonie gemeinsam fertigzubauen. Und wie das manager magazin zuerst berichtete, will der Bund mit seinen Milliardenforderungen an die Toll-Collect-Partner zurückstecken, um die laufende Gebührenmaschine nicht zu gefährden. Bosch und Siemens dürften auch den "Fluchhafen" in Berlin überstehen.

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