Dienstag, 26. Mai 2015

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Bosch-Chef Bernd Bohr "Elektromobilität wird kommen"

Bernd Bohr: "Ewige Quersubventionen wird es nicht geben"

Wenn Autohersteller weniger Geld in überflüssige Kapazitäten investierten, hätten sie mehr Geld für Innovationen, sagt Bernd Bohr. Im Interview erklärt der Bosch-Chef, warum Elektromobilität trotz aktueller Verluste eine Zukunft hat, warum bald 30 bis 40 Prozent der Investitionen nach Asien fließen - und wie es mit der defizitären Solartechnik weitergeht.

mm: Herr Bohr, Bosch hat 2011 rund 400 Millionen Euro in Elektromobilität investiert. Doch E-Autos erweisen sich bislang als gigantischer Flop, die Kunden verweigern sich der neuen Technik. Droht Bosch neben der Solarmisere ein neuer Milliardenflop?

Bohr: Nein. Langfristig sind diese Investitionen schlicht notwendig, denn Elektromobilität wird kommen. Spätestens 2020 benötigen wir die Großserienkompetenz bei Batterien und Batteriemanagement, Leistungselektronik und Elektromotoren. Wir bauen das Schritt für Schritt aus.

mm: Aber bis 2020 bleibt Elektromobilität ein Minusgeschäft?

Bohr: Die wesentlichen Aufträge, zum Beispiel für die Batterien, sind für die nächsten Jahre vergeben. Und es ist jetzt schon klar, dass es einen Volumenmarkt nicht vor 2020 geben wird. Damit bietet sich ein ideales Zeitfenster für die Neuaufstellung unserer Batterieaktivitäten.

mm: Das bedeutet?

Bohr: Das bedeutet, dass es bei Batteriezellen in den nächsten Jahren gewaltige Überkapazitäten geben wird. Die Ergebnissituation ist da ähnlich unerfreulich wie in der Solarindustrie. Die Deckungsbeiträge machen Volumenproduzenten keine Freude. Wir können insofern froh sein, dass wir unser Joint Venture mit Samsung beendet und keine große Batteriefabrik haben.

mm: Mit der Trennung von Samsung Börsen-Chart zeigen verlieren Sie auch eine Menge Fachwissen.

Bohr: Im Gegenteil: Wir haben vereinbart, dass beide Partner alle Patente von SB Limotive nutzen dürfen. Zudem haben wir den Zugriff auf alle Basispatente von Samsung SDI im Bereich Lithium-Ionen-Batterien. Und was die Batteriezellen angeht, war Samsung zuvor deutlich weiter als wir.

mm: Vor einiger Zeit hieß es, Volkswagen wolle gemeinsam mit Ihnen eine Batterieproduktion in Deutschland aufbauen.

Bohr: Vorerst sicher nicht. Wir konzentrieren uns zunächst auf unsere Entwicklung und Pilotfertigung von Batteriezellen für maritime und automotive Anwendungen. Gleichzeitig nutzen wir die Zeit niedriger Nachfrage, um unser Joint-Venture-Erbe, das Batteriesystemgeschäft, auszubauen.

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