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31.12.2012
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Silvestergeschäft
Feuerwerker in der Chinafalle

Von Kristian Klooß

Drei-Tages-Branche: Deutschlands Feuerwerkhersteller im Vergleich
Fotos
Weco

2. Teil: Fabrikarbeit verdrängt Heimarbeit

Die Gründe der Kostensteigerungen sind für Michael Kandler, Geschäftsführer der Wuppertaler Nico-Feuerwerke GmbH, absolut nachvollziehbar. Vor allem bei der Arbeitssicherheit und den Arbeitszeiten habe es in China einen Wandel der Sicht gegeben. "Noch vor zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren wurden die Rohstoffe per Heimarbeit oder in Schulen hergestellt", sagt Kandler, der die Branche seit knapp drei Jahrzehnten kennt. In dieser Zeit habe sich vieles geändert. "Heute wird nur noch in Fabriken gefertigt, und es gibt regelmäßige Inspektionen." Die Anforderungen gerade an die Sicherheit seien inzwischen vergleichbar mit denen in Deutschland. "Auch das hat zu einer Konzentration auf große Fabriken geführt", sagt Kandler.

Zwar verdienen die Arbeiter in den Feuerwerksfabriken Chinas noch immer am Tag weniger Geld als ein deutscher Arbeiter in der Stunde. Dennoch haben die gestiegenen Arbeitskosten zu einer weiteren Entwicklung geführt: Rationalisierung. Holzstäbe für Raketen werden längst nicht mehr per Hand, sondern per Maschine zugeschnitten. Und war es früher üblich, dass die Arbeiter ein Papierröhrchen für eine Feuerwerksbatterie per Hand wie eine Zigarette rollten, bedienen sie heute eine kleine Maschine, die das Papier wie auf einer Spindel rollt und dann automatisch schneidet.

Rationalisierung alleine löst die anderen Probleme, denen sich die deutschen Chinaböllerimporteure seit einigen Jahren stellen müssen, indes nicht.

Keine Lust auf deutsche Richtlinien

Eines dieser Probleme ist der rasant wachsende chinesische Binnenmarkt für Feuerwerke. Eine Entwicklung, die vor rund sieben Jahren einsetzte. Denn erst seit 2005 dürfen Stadtbewohner zum chinesischen Neujahr wieder Raketen und Knaller zünden. Seit der Kulturrevolution, also ab den siebziger Jahren, hatte die Parteiführung dies untersagt.

Zwar existieren kaum belastbare Zahlen zum chinesischen Binnenmarkt. Doch das aus dem größten Anbieterland für Feuerwerke mittlerweile auch das Land mit der größten Nachfrage geworden ist, gilt als ausgemacht. "In China wird meiner Einschätzung nach inzwischen mehr Feuerwerk selbst verschossen als exportiert", sagt Richard Eickel, Geschäftsführer des Bremerhavener Feuerwerkherstellers Comet.

Dies wiederum hat direkte Folgen für die deutschen Hersteller. Denn viele chinesische Fabrikbesitzer produzieren mittlerweile lieber für den chinesischen Neujahrstag, der je nach Mondkonstellation um Mitte Januar bis Mitte Februar stattfindet. "Die Chinesen machen lieber Inlandsgeschäfte, weil es für sie einfacher ist", sagt Keller-Geschäftsführer Krokowski. Ein Grund: für Exportfeuerwerke sind die Anforderungen etwa an Sicherheitsbestimmungen höher als bei Inlandswaren. "Deshalb sind die Exportprodukte gerade nicht das Lieblingskind der Hersteller in China", sagt auch Thomas Schreiber, Geschäftsführer des deutschen Marktführers Weco.

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