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14. Dezember 2012, 12:58 Uhr

Kupferkonzern Aurubis

Rotes Gold füllt die Kassen

Von Arvid Kaiser

Kaum ein deutscher Industriekonzern verdient trotz Krise so prächtig wie Aurubis. Europas größte Kupferhütte profitiert von der globalen Metallknappheit. Wenn es um weiteres Wachstum geht, zeigt sich der Konzern aber sparsam. Lieber beschenkt er die Aktionäre.

Hamburg - Keine großen Erwartungen zu schüren, gehört bei Aurubis zur Tradition. "Wir gehen auch im neuen Geschäftsjahr von einer zufriedenstellenden Ertragslage aus", sagte Konzernchef Peter Willbrandt am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz. "Zufriedenstellend" ist mit Blick auf das zurückliegende Jahr eine glatte Untertreibung: Trotz Rezession auf dem europäischen Heimatmarkt brach der Konzern wieder einmal Rekorde bei Umsatz, Betriebsgewinn - und nach Vorschlag des Vorstands vor allem bei der Dividende.

Das ist hanseatisches Understatement: Erfolg haben, nicht darüber reden. Schmallippig gibt sich der seit Januar amtierende Vorstandschef auch zu seiner Strategie. "Wir haben viele unserer Ziele erreicht, und es ist an der Zeit, diese zu überprüfen", sagt Willbrandt zwar. Höher hängt er die Messlatte deswegen aber nicht.

Zwar zeigt seine Präsentation einen noch nicht ausgefüllten Haken zur Aufgabe "Global Player". Fragen über Zukäufe im Ausland wehrt er aber ab. "Wir haben jetzt den ersten Footprint außerhalb Europas", sagt er mit Blick auf das 2011 übernommene US-Werk Buffalo. Ansonsten "fühlt sich die Aurubis mit ihrer derzeitigen Marktposition wohl".

Der im MDax notierte Konzern zählt trotz der schwachen Industrienachfrage auf seinem Heimatmarkt zu den wenigen hiesigen Profiteuren der Metallpreishausse. Der Aktienkurs steigt und steigt und steigt, im November erstmals über 50 Euro - genau spiegelbildlich zu den Anteilsscheinen des Großaktionärs Salzgitter , die seit Jahren abwärts tendieren. An der Börse ist der Kupferhersteller jetzt erstmals mehr wert als der aktuell in den roten Zahlen steckende Stahlkonzern, der 25 Prozent der Aurubis-Aktien hält und seinen Anteil gern erhöhen würde.

Silber und Gold als "Abfallprodukt"

Das "rote Gold" im Firmennamen spielt auf die Quelle des Erfolgs an. Aktuell kostet Kupfer an der Londoner Metallbörse wieder mehr als 8000 Dollar je Tonne - weniger als die Anfang 2011 erzielten Preise von bis zu 10.000 Dollar, aber immer noch ein historisch hoher Wert. Nicht mit Spekulation sondern "physisch begründet" sei das, verweist Willbrandt auf die seit Jahren bestehende Angebotslücke.

Der Kupferpreis bläht zwar Umsatz und Bilanz des Unternehmens auf, hat aber eher indirekten Einfluss auf den Geschäftserfolg: Aurubis kauft den Rohstoff teurer ein und verkauft seine Produkte teurer weiter. Allerdings werden die Hütten auch besser ausgelastet, die Schmelzlöhne und damit Aurubis' Gewinne steigen, das Angebot an verwertbarem Kupferschrott nimmt zu. Für die Zukunft erhofft sich Willbrandt noch weitere Vorteile: Während die hohen Preise neue Rohstoffproduzenten auf den Markt lockten, komme kaum zusätzliche Kapazität der Hütten hinzu.

Ganz nebenbei, im Wortsinn als Abfallprodukt, ist Aurubis auch ein großer Spieler im Edelmetallmarkt. Silber und Gold wäscht das Unternehmen aus den Schlämmen, die bei der Elektrolyse von Kupfer übrig bleiben. Die Silberproduktion belief sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 1222 Tonnen, damit übertrifft der Konzern die weltweit ertragreichsten Bergwerke und würde in einer Rangliste der Fördernationen unter den Top Ten laufen. Der Ertrag an Gold ist mit 37 Tonnen deutlich geringer, entspricht aber immer noch fast einem Viertel der deutschen Nachfrage.

"In China spielt die Musik" - aber Aurubis will nicht tanzen

Willbrandt räumt freimütig ein, dass der europäische Markt, auf den Aurubis sich so stark konzentriert, kaum zum Aufschwung des Kupfermarkts beiträgt: "In China spielt die Musik." Laut einer Schätzung des britisch-australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto werden China und Indien bis zum Ende des Jahrzehnts die Hälfte der Weltnachfrage unter sich ausmachen. Unicredit-Rohstoffexperte Jochen Hitzfeld gibt die chinesischen Schätze mit nur 4 Prozent der globalen Reserven an. Dort selbst zu produzieren, lehnt Aurubis aber rundheraus ab. Wettbewerbsfähig sei man wegen des überlegenen Know-hows, das nicht leichtfertig riskiert werden solle.

"Wir sind grundsolide aufgestellt und können aus einer Position der Stärke den zukünftigen Entwicklungen gelassen entgegenschauen", formuliert Finanzvorstand Erwin Faust die Position des Abwartens.

Wie stark die Erfolgsgeschichte ist, zeigt vor allem der Vergleich mit der Situation vor wenigen Jahren. Aurubis, damals noch unter dem Traditionsunternehmen Norddeutsche Affinerie, galt selbst als Übernahmeziel, kämpfte jahrelang verbissen mit dem österreichischen Großaktionär A-Tec von Mirko Kovats. Heute ist A-Tec Geschichte, die Insolvenz gerade abgeschlossen.

Stattdessen übernahmen die Hamburger 2008 den belgischen Wettbewerber Cumerio komplett, 2011 folgte die Flachproduktesparte der britischen Industriegruppe Luvata - dieses Geschäft war einst der Kern des finnischen Outokumpu-Konzerns , der sich heute auf das schwierige Edelstahlgeschäft verlegt hat und aktuell Salzgitters größerem Wettbewerber ThyssenKrupp einen der größten Verlustbringer abnimmt. Finanziell sind die Zukäufe bereits weitgehend verdaut. Die Nettofinanzschulden betrugen zuletzt noch 105 Millionen Euro, die liquiden Mittel 669 Millionen. Leisten könnte Aurubis sich eine weitere Expansion also allemal.

Stattdessen bekommen die Aktionäre nun 1,35 Euro statt 1,20 Euro je Anteilsschein ausgeschüttet. Das kommt vor allem dem maladen Großaktionär Salzgitter entgegen.


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