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11.12.2012
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Nach Milliardenverlust
ThyssenKrupp-Chef verspricht neue Führungskultur

ThyssenKrupp-Chef Hiesinger: "Jede Führungskraft ist künftig voll verantwortlich dafür, im eigenen Verantwortungsbereich ordnungsgemäße Geschäftsprozesse sicherzustellen"
DPA

ThyssenKrupp-Chef Hiesinger: "Jede Führungskraft ist künftig voll verantwortlich dafür, im eigenen Verantwortungsbereich ordnungsgemäße Geschäftsprozesse sicherzustellen"

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger bekennt bei der Präsentation der Jahresbilanz Farbe: Die Führungskultur des Unternehmens habe versagt, blinde Loyalität sei oft wichtiger gewesen. Der Manager verspricht einen Neuanfang - die Börse glaubt ihm.

Essen - Das Desaster im Amerikageschäft habe gezeigt, dass die Führungskultur an vielen Stellen des Unternehmens versagt habe, sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger bei der Präsentation der Konzernbilanz 2011/12. "Um in die Zukunft aufzubrechen, müssen wir zunächst alte Strukturen und Gepflogenheiten aufbrechen."

Die Trennung von drei der sechs Vorstandsmitglieder sei ein deutliches Zeichen für den Neuanfang, so der Manager weiter. In der alten Führungskultur seien Seilschaften und blinde Loyalität oft wichtiger gewesen als der unternehmerische Erfolg, Fehlentwicklungen seien lieber verschwiegen als aktiv korrigiert worden. Außerdem habe offenbar bei einigen die Ansicht vorgeherrscht, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten.

"Wir müssen und wir werden unsere Führungskultur grundlegend verändern, um wieder erfolgreich zu sein", sagte Hiesinger. Er kündigte an, jede Führungskraft sei künftig voll verantwortlich dafür, im eigenen Verantwortungsbereich ordnungsgemäße Geschäftsprozesse sicherzustellen. Nicht-Wissen schütze hier künftig nicht mehr vor Konsequenzen. Das Unternehmen verfolge inzwischen eine Null-Toleranz-Politik bei Compliance-Verstößen. Rund 50 Mitarbeiter hätten das Unternehmen in diesem Zusammenhang bereits verlassen müssen.

Die Worte des Konzernchefs kamen bei Aktionären gut an: Obwohl sie dieses Jahr auf eine Dividende verzichten müssen, griffen sie bei ThyssenKrupp-Aktien Chart zeigen zu. Das Papier gewann nach einem schwachen Start 2,37 Prozent. Ein Börsianer erklärte den anziehenden Kurs mit "Phantasie auf bessere Zeiten" und "dass jetzt endlich alles raus ist". Da störe es auch nicht, dass die Dividende gestrichen sei.

Fünf Milliarden Euro Verlust

Hohe Wertberichtigungen bei den neuen Stahlwerken in Amerika bescherten ThyssenKrupp im Geschäftsjahr 2011/2012 den höchsten Verlust der Firmengeschichte. Insgesamt musste Deutschlands größter Stahlproduzent am Montagabend einen Jahresfehlbetrag von fünf Milliarden Euro ausweisen. Als Konsequenz aus dem Amerikadebakel sowie mehreren Korruptions- und Kartellskandalen trennte sich der Konzern von drei Vorstandsmitgliedern: Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen.

Hiesinger hatte die Stahlwerksbauten in Brasilien und den USA im Mai zum Verkauf gestellt. Einen Käufer gibt es bislang noch nicht. Die Werke standen zuletzt noch mit rund sieben Milliarden Euro in den Büchern. Jüngst war über einen Verkaufspreis von drei bis vier Milliarden Euro spekuliert worden. ThyssenKrupp hatte nach früheren Angaben rund zwölf Milliarden Euro in die Werke gesteckt - hinzu kam ein weiterer operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro im vergangenen Geschäftsjahr.

ThyssenKrupp will Kurzarbeit verlängern

Auch im ersten Geschäftsquartal ist bei ThyssenKrupp noch keine Besserung in Sicht. Dann werde die Sparte gegenüber den drei Monaten zuvor niedrigere Durchschnittserlöse erzielen, sagte Finanzchef Guido Kerkhoff. Die sinkenden Rohstoffkosten könnten dies nicht ausgleichen. Der Konzern gehe aber im europäischen Stahlgeschäft dennoch von einem positiven bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus.

Wegen der schwachen Nachfrage will der Vorstand aber die Kurzarbeit in Deutschland verlängern. ThyssenKrupp hatte im August für knapp 2200 der rund 17.500 Stahlarbeiter Kurzarbeit eingeführt. Der Konzern erklärte, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seitdem nicht verbessert hätten. Die Zuschüsse der Arbeitsagentur für Kurzarbeit sind normalerweise auf ein halbes Jahr befristet.

ThyssenKrupp kündigte zugleich an, auf die Verschärfung des Umfelds für die europäische Stahlindustrie mit hohen Überkapazitäten und Preisdruck reagieren zu wollen. Hiesinger kündigte besonnenes und rationales Vorgehen an, um Verbesserungspotenziale und Wachstumschancen zu ermitteln. Ergebnisse dieser Überprüfung lägen noch nicht vor.

mg/dapd/rtr/dpa-afx

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