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09.12.2012
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Stahlkonzern
Showdown bei ThyssenKrupp

Auf Temperatur: Bei ThyssenKrupp beginnt die Woche der Wahrheit
DPA

Auf Temperatur: Bei ThyssenKrupp beginnt die Woche der Wahrheit

Der Streit zwischen Aufsichtsrat und ehemaligen Managern des krisengeschüttelten Stahlkonzerns eskaliert. Vor der Aufsichtsratssitzung am Montag und der Bilanzvorlage am Dienstag lieferten sich Kritiker und Unterstützer von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme einen Schlagabtausch.

Duisburg - Der seit 2001 amtierende Cromme ist wegen eines milliardenschweren Desasters mit Stahlwerken in Brasilien und den USA mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Er selbst sieht die Verantwortung im Management und betreibt deshalb die Entlassung von drei der sechs Vorstandsmitglieder.

Cromme will nun mit einem Gutachten klären, ob der ehemalige Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz und weitere Ex-Manager das Kontrollgremium über die aus dem Ruder gelaufenen Stahlwerksprojekte bewusst falsch informiert haben. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Schadenersatz geltend gemacht werden könne, bestätigte der größte deutsche Stahlkonzern am Sonntag einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Ergebnisse lägen noch nicht vor.

Die Frage ist, ob Cromme und die Mitglieder des Gremiums ihre Kontrollaufgaben erfüllt haben und die Explosion der Kosten für die Werke auf zwölf Milliarden Euro hätten verhindern können. Cromme hatte bereits mehrere Gutachten in Auftrag gegeben. Eine neue Prüfung habe nun ergeben, dass eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen sich als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen hätten, erklärte der Konzern.

ThyssenKrupp befindet sich in der schwersten Krise des Konzerns seit der Fusion Ende der 90er Jahre. Der seit Anfang 2011 amtierende Vorstandschef Heinrich Hiesinger versucht, das Ruder herumzureißen. Er hat die Stahlwerke in Übersee zum Verkauf gestellt, muss aber wohl seine Hoffnungen auf einen Verkaufserlös in Höhe des Buchwertes von rund sieben Milliarden Euro aufgeben. Der Konzern dürfte für das Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende September) Milliardenabschreibungen und hohe Verluste ausweisen.

Stahlgeschäft auf dem Prüfstand

Erschwert wird die Arbeit durch immer neue Fälle illegaler Kartellabsprachen, Korruptionsvorwürfe und dadurch drohende Schadenersatzforderungen etwa der Deutschen Bahn in dreistelliger Millionenhöhe. Drei Vorstände - Stahlchef Eichler, Technologievorstand Olaf Berlien und der wegen Luxusreisen in der Kritik stehende ehemalige Kommunikationschef Jürgen Claassen - sollen Ende des Jahres ihren Hut nehmen. Der Aufsichtsrat dürfte dieser Empfehlung seines Personalausschusses am Montag folgen.

Aktionäre wollen aber auch Cromme zur Verantwortung ziehen. Rücktrittsforderungen vom Chefposten des Aufsichtsrats machen die Runde. Diese wurden durch einen Bericht der "Welt am Sonntag" weiter angeheizt. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf "gut informierte Konzernkreise" Cromme hätte die Verluste mit den Werken in Übersee selbst in Grenzen halten können, wenn er sich nicht gegen einen Verkauf weiterer Anteile an den brasilianischen Vale -Konzern ausgesprochen hätte.

Dieser habe seine Beteiligung am Standort in Brasilien von 27 auf bis zu 50 Prozent ausbauen und sich auch an dem Werk in den USA beteiligen können. Cromme widersprach dieser Darstellung. Eine Aufstockung der Vale-Beteiligung habe nicht ernsthaft zur Debatte gestanden, ließ er die Zeitung wissen. Die Lage der europäischen Stahlsparte von ThyssenKrupp ist wegen der schwachen Nachfrage alles andere als rosig. Seit August sind rund 2000 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Einem Magazinbericht zufolge stellt Hiesinger das deutsche Stahlgeschäft auf den Prüfstand. Der Vorstandschef erwäge alle Optionen von einer organisatorischen Ausgliederung bis hin zu einem Börsengang der deutschen Stahlwerke, berichtete die "WirtschaftWoche" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. ThyssenKrupp wollte sich dazu am Wochenende nicht äußern.

la/dpa-afx

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