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06.12.2012
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ThyssenKrupp
Neustart für den Krisenkonzern

Von Arvid Kaiser

ThyssenKrupp: Wer gehen muss und wer bleiben darf
Fotos
DPA

Der beispiellose Machtkampf im ThyssenKrupp-Konzern mündet in einen Kahlschlag an der Spitze. Ein radikaler Schnitt im Vorstand öffnet den Weg für eine neue Unternehmenskultur. Wohin der kriselnde Industrieriese strategisch steuert, ist aber völlig offen.

Hamburg - Heinrich Hiesinger lässt sich nicht beirren. "Ich blicke nur nach vorn", zitierte ihn kürzlich "Der Spiegel". Ganz ignorieren kann der ThyssenKrupp-Chef die Vergangenheit aber nicht. Zu viele Fehler von früher belasten den 200-jährigen Traditionskonzern, zu viele Probleme harren noch der Lösung.

Was an diesem Mittwoch in Essen geschah, ist daher folgerichtig: Nach der Empfehlung des Personalausschusses, den der Aufsichtsrat, am kommenden Montag absegnen dürfte, werden alle Vorstände entlassen, die in irgendeiner Weise mit milliardenschweren Fehlinvestitionen in amerikanische Stahlwerke, Schienen- oder Aufzugkartellen, Korruption und Vorteilsnahme zu tun haben könnten.

Im Amt bleiben nur Vorstandschef Hiesinger und Finanzchef Guido Kerkhoff, die beide im vergangenen Jahr von außen in den Konzern gekommen waren. Arbeitsdirektor Ralph Labonte tritt im März als letzter Vorstand mit Wurzeln bei ThyssenKrupp Chart zeigen ab und macht Platz für den IG-Metall-Kollegen Oliver Burkhard. Tabula rasa aus Sicht der alten Seilschaften im Haus.

Von einem "echten Neuanfang" spricht Metallgewerkschafter Bertin Eichler. "ThyssenKrupp steht vor großen Herausforderungen und braucht das Vertrauen der Kunden und Beschäftigten." Eichler selbst war als Vize-Aufsichtsratschef und einer der vier Männer im Personalausschuss an dem denkwürdigen Beschluss beteiligt - neben Chefkontrolleur Gerhard Cromme, Konzernbetriebsrat Wilhelm Segerath und Ex-BDI-Präsident Jürgen Thumann.

Doch jeder der Beteiligten dürfte sich etwas anderes von dem Neuanfang versprechen. Die IG Metall erhofft sich vor allem ein stärkeres Bekenntnis zu den heimischen Stahlwerken - ThyssenKrupp erzielt mit Abstand den höchsten Umsatzanteil aller Industriekonzerne im Dax im Inland. "Wer Werke schließt, bekommt mit uns richtig Ärger", hatte der künftige Personalchef Burkhard noch zu Jahresbeginn gegen den Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Wettbewerber Outokumpu Chart zeigen protestiert. Der wird nun nach dem OK der EU-Kartellwächter wohl noch 2012 abgeschlossen, bevor Burkhard Verantwortung übernimmt - und dann stehen große Werke wie Krefeld und Bochum vor dem Aus.

Thumann wiederum ist für harte Schnitte dieser Art bekannt, stieß er doch schon zu Beginn seiner Karriere zwei Stahlfirmen aus Familienbesitz ab, die nun zu Tata Steel Chart zeigen gehören.

Für Cromme geht es um die Entscheidung, ob er, der den Konzern einst mit dem Zusammenschluss von Krupp und Thyssen schuf, als strahlender Retter den 99-jährigen Übervater Berthold Beitz an der Spitze des Großaktionärs Krupp-Stiftung beerben kann - oder mit in den Strudel gezogen wird. Hiesinger, der sich auf eine Abkehr von Stahlaktivitäten zugunsten renditeträchtigerer Geschäfte im Anlagenbau und Industriedienstleistungen festgelegt hat, ist Crommes wahl.

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