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06.12.2012
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Drei Vorstände geschasst
ThyssenKrupp-Chef Hiesinger zieht Reißleine

ThyssenKrupp: Wer gehen muss und wer bleiben darf
Fotos
DPA

Schadensersatzklagen wegen Kartellbildung, Luxusreisen auf Konzernkosten, Milliardendebakel in Amerika: Bei ThyssenKrupp läuft es derzeit drunter und drüber. Vorstandschef Hiesinger räumt deshalb in der Chefetage auf. Anleger reagieren erleichtert.

Essen - Mit einem radikalen Schnitt beim Führungspersonal will ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger Ordnung schaffen in seinem kriselnden Industriekonzern. Drei der insgesamt sechs Vorstandsmitglieder müssen nach Korruptionsvorwürfen und hohen Verlusten in Amerika gehen.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat begrüßten die Pläne als "Signal für einen Neuanfang". Die Anteilsscheine von ThyssenKrupp Chart zeigen stiegen am Morgen um 1,31 Prozent.

Die Nachricht kam gestern wie ein Donnerschlag: Mit Edwin Eichler, Olaf Berlien und Jürgen Claassen soll jedes zweite Vorstandsmitglied den Konzern zum Jahresende verlassen. Das habe der Personalausschuss des Aufsichtsrats dem Gremium am Mittwoch empfohlen, teilte ThyssenKrupp mit. Damit zieht Deutschlands größter Stahlkonzern Konsequenzen aus dem Milliardendebakel beim Bau von Stahlwerken in Brasilien und den USA sowie der Aufdeckung einer Reihe von Korruptionsfällen.

Der Schritt diene den "notwendigen Veränderungen des Führungssystems und der Führungskultur im Konzern" und sei ein "klares Signal nach außen und nach innen", heißt es in der Mitteilung. Endgültig soll der Aufsichtsrat am Montag entscheiden. Eichler, Berlien und Classen seien mit der einvernehmlichen Aufhebung ihrer Verträge einverstanden.

Von der Arbeitnehmerseite hieß es, Transparenz und Ehrlichkeit im Umgang miteinander seien nicht mehr in jedem Fall selbstverständlich gewesen. "ThyssenKrupp steht vor großen Herausforderungen und braucht das Vertrauen der Kunden und der Beschäftigten. Das geht nur mit einem echten Neuanfang", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler.

Kartelle und Luxusreisen bringen Vorstände zu Fall

Auf ThyssenKrupp kommen nach der Aufdeckung eines Aufzugs- und Rolltreppenkartells gleich mehrere Schadensersatzklagen zu. Dem Berliner Landgericht liegen Schadenersatzklagen von Städten und der Bahn sowie von mehreren Bauunternehmen vor. Die EU-Kommission hatte bereits eine millionenschweren Geldbuße verhängt. Vorstandsmitglied Berlien ist für den betroffen Unternehmensbereich Aufzugtechnik zuständig. Sein Vertrag sollte eigentlich erst am 31. März 2017 auslaufen.

Auch mit einem Schienenkartell war der Essener Konzern in die Schlagzeilen geraten. Es war im vergangenen Jahr aufgeflogen. Das Bundeskartellamt hatte daraufhin im Juli dieses Jahres wegen Absprachen zulasten der Bahn ein Bußgeld von 103 Millionen Euro gegen ThyssenKrupp verhängt.

Compliance-Vorstand Claassen steht wegen Luxusreisen mit Journalisten und eigener Reisen in der Kritik. Die Staatsanwaltschaft Essen prüft die Aufnahme von Ermittlungen wegen Untreue. Claassen hatte bereits am vergangenen Wochenende den Aufsichtsrat gebeten, ihn bis auf weiteres von seinen Vorstandsaufgaben zu entbinden. Der frühere Pressesprecher war im Vorstand für die Einhaltung rechtlicher Vorgaben zuständig, sein Vertrag sollte ursprünglich bis 20. Januar 2016 gehen.

Edwin Eichler ist bisher im Vorstand für die Stahlsparte zuständig, sein Vertrag sollte am 30. September 2017 enden. Für seine Sparte Steel Americas mit den Werken in Brasilien und den USA sucht ThyssenKrupp Käufer. Die Anlagen haben sich als Milliardengrab erwiesen.

Der Bau und Hochlauf beider Werke hat nach Angaben von Hiesinger aus dem Mai bislang rund zwölf Milliarden Euro verschlungen. Die Prüfung der Projekte habe ergeben, dass die Planungen des früheren Vorstands deutlich zu optimistisch gewesen seien oder sich im Nachhinein als falsch erwiesen hätten, teilte ThyssenKrupp jetzt mit.

ThyssenKrupp: Wer gehen muss und wer bleiben darf

mg/dpa

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