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15.11.2012
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Erzmarkt
Die neue Eisenzeit bricht an

Von Arvid Kaiser

Erz für die Welt: Wer das Rohstoffgeschäft kontrolliert
Fotos
DPA

Der Eisenerzmarkt als Barometer der Weltkonjunktur schwankt so stark wie noch nie. Kaum haben die bislang krisenfesten Rohstoffriesen ein Milliardenprojekt nach dem anderen gekippt, weckt China Hoffnung auf einen neuen Stahlboom - bis zur nächsten Zeitenwende.

Hamburg - Für Nev Power hat sich der Zeitplan glücklich gefügt. Während der Chef des australischen Eisenerzförderers Fortescue an diesem Mittwoch in Perth vor seine Aktionäre trat, wechselten die chinesischen Kommunisten in Peking ihre Führung aus - im Sinne eines sanften Übergangs begleitet von einem prallen Konjunkturpaket, das direkt Fortescue zugute kommt. Allein das Eisenbahnministerium will im November und Dezember 200 Milliarden Yuan (25 Milliarden Euro) ausgeben, mehr als in der ersten Jahreshälfte. Insgesamt gab die staatliche Entwicklungskommission jüngst Projekte über eine Billion Yuan frei, die vor allem die Stahl- und damit die Erznachfrage anregen.

Der Eisenerzpreis notiert am Spotmarkt in Shanghai bereits wieder über 120 Dollar je Tonne - genau, wie Fortescue-Chef Power im Oktober mit Verweis auf Führungswechsel und Konjunkturpaket vorausgesagt hatte. Kurz zuvor hatte er noch eine milliardenschwere Umschuldung gestemmt und zwei Großprojekte in Australien gestoppt, nachdem der Erzpreis im September auf ein Dreijahrestief von 87 Dollar gefallen war - Fortescue Chart zeigen würde auf diesem Niveau laut einer Analyse der Bank UBS im kommenden Jahr Verlust schreiben. "Der Rohstoffboom ist vorbei", warnte bereits Australiens Energieminister Martin Ferguson.

Nun aber, da die 120-Dollar-Marke erreicht ist, will Power zu den ursprünglichen Plänen zurückkehren und die Produktionskapazität der Firma "kurzfristig" verdreifachen statt nur zu verdoppeln. Pleitegefahr war gestern, jetzt ist die Wachstumsstory wieder intakt.

Den Markt umwälzen - und dicke Margen einstreichen

Fortescue als aggressiver Newcomer, der alles auf die eine Karte China und Eisenerz setzt, ist ein extremer Fall. Doch das rasche Auf und Ab der Branche, die in den vergangenen Jahren meist nur den Weg nach oben kannte, sagt viel aus über den Zustand der Weltwirtschaft.

Die wichtigste Zutat für Stahl, das fast die gesamte globale Metallproduktion ausmacht und von Haushaltsgeräten über Autos bis zu Straßen, Brücken und Häusern die Elemente der Zivilisation trägt, ist seit Jahren knapp. Der staatlich gestützte Boom in China wog die schwächere Nachfrage in den Industrieländern mehr als auf.

Die führenden Erzproduzenten nutzten ihre Position aus, um den nach Öl Chart zeigen größten Rohstoffmarkt umzuwälzen und dicke Margen einzustreichen. Doch als in diesem Sommer auch China Schwäche zeigte, wurde aus dem Mangel plötzlich ein Überhang an Eisenerz. Aktuell gelten 120 Dollar als hoch, vor Monaten sahen die meisten Analysten darin noch die absolute Untergrenze.

Marius Kloppers als Chef des weltgrößten Bergbaukonzerns BHP Billiton Chart zeigensprach die Probleme auf seiner Hauptversammlung im Oktober offen an. "Wir haben ein Jahrzehnt untragbar hoher Preise in manchen Rohstoffen wie Eisenerz hinter uns", erklärte Kloppers, der zugleich Investitionen von 30 Milliarden Dollar aufschob. Dies werde bald enden, denn "die Lücke kostengünstigen Angebots wird zusehends gefüllt" - eine Voraussage, die über die Dauer des aktuellen chinesischen Konjunkturprogramms hinausweist.

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