Sonntag, 25. Februar 2018

Nach geplatzter Fusion EADS-Chef prüft Zukunft der Rüstungssparte

EADS-Chef Enders: "Es gibt kein Zurück zum Ausgangspunkt"

Nach der geplatzten Megafusion mit BAE Systems stellt EADS-Chef Tom Enders nun die schwächelnde Rüstungssparte Cassidian auf den Prüfstand. Die Verantwortlichen für das Scheitern des Zusammenschlusses sieht der Topmanager vor allem in Deutschland.

München/Paris - "Wir müssen unsere Konzernstrategie und insbesondere unsere Verteidigungsaktivitäten auf den Prüfstand stellen", schreibt EADS-Chef Tom Enders in einem Brief an die Mitarbeiter. "Eines steht jedoch schon fest: Es gibt kein Zurück zum Ausgangspunkt - und das gilt nicht nur für die Strategie."

Die EADS-Rüstungstochter Cassidian leidet seit Langem unter den Kürzungen in den europäischen Wehrhaushalten, es gibt teilweise Kurzarbeit. Im zivilen Luft- und Raumfahrtgeschäft werde EADS seinen Wachstumskurs aber fortsetzen, schreibt Enders. "Lassen Sie uns jetzt an die Zukunft denken und diese planen."

Am Mittwoch hatten EADS Börsen-Chart zeigen und BAE Systems Börsen-Chart zeigen wie erwartet ihre Pläne für den Bau eines neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns aufgegeben. Sie kapitulierten damit vor dem großen politischen Widerstand der Regierungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Deutschland und Frankreich verfügen direkt und indirekt über jeweils gut 22 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt der Autokonzern Daimler Börsen-Chart zeigen wahr. Größter Streitpunkt war die Verteilung der Anteile zwischen den Staaten nach einer Fusion der beiden Konzerne.

Enders: "Habe Widerstand aus Berlin unterschätzt"

Enders schreibt in dem Brief, er habe vor allem den Widerstand aus Berlin unterschätzt. Seitens der französischen und britischen Regierungen habe es starke Bemühungen gegeben, die politische Hürden zu überwinden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte am Mittwoch Vorwürfe bestritten, dass deutscher Widerstand die Fusion verhindert habe.

Auch nach Einschätzung von EADS-Strategiechef Marwan Lahoud hat die deutsche Bundesregierung die geplante Fusion mit dem Rüstungsunternehmen BAE Systems von Anfang an torpediert. Berlin scheine der Ansicht gewesen zu sein, dass der deutsche Einfluss in einem größeren Konzern auf jeden Fall verwässert worden wäre, sagte er der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos". Dies sei so sehr sehr der Fall gewesen, dass es mit Berlin niemals echte Verhandlungen gegeben habe.

"Es wurden keinerlei Forderungen formuliert", sagte der Vorstand für Strategie und Marketing. Im Gegensatz zur britischen und französischen Seite sei die deutsche nicht offen für Gespräche über den strategischen Sinn des Projekts gewesen. Sie habe in Arbeitssitzungen lediglich den ein oder anderen technischen Punkt erläutert.

Der Großaktionär Daimler bremste nach Einschätzung Lahouds allerdings nicht. "Diese Diskussionen waren sehr konstruktiv", sagte der Franzose. Das Gleiche gelte für die Verhandlungen mit dem französischen Großaktionär Lagardère.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH