Montag, 26. September 2016

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Widerstand gegen Goldminen Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel mit Vorzeigemine

Widerstand gegen Goldminen: Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel
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dapd

Barrick Gold hat einen berüchtigten US-Diplomaten engagiert, um seinen wichtigsten Trumpf zu sichern: eine neue Mine in der Karibik. Doch der Streit um sie eskaliert. Dem krisengeschüttelten Marktführer - und mit ihm der ganzen Goldbranche - droht der Absturz.

Buenos Aires - Unter den zahlreichen Neuzugängen der jüngsten Zeit in der Führung von Barrick Gold ragt einer heraus. Er ist kein Bergbauspezialist. Über die Managementqualitäten des neuen Spitzenmanns beim weltgrößten Goldproduzenten ist wenig bekannt. Überhaupt: Vieles von dem, was er getan hat, ist Verschlusssache.

In den 80er Jahren taucht er in Honduras auf, ein Schreibtischjob in der US-Botschaft. Dann in der Dominkanischen Republik und zurück in Honduras - diesmal als Militärattaché der USA, die von dort aus den Krieg der Contras gegen die Sandinisten in Nicaragua steuern. Er sei in den diplomatischen Dienst gegangen, "um gegen Kommunisten zu kämpfen", sagt er einmal. Später wird er Interims-Botschafter in Argentinien, wo er die Regierung öffentlich warnt, es sei ein "Kriegsgrund", Patente von US-Firmen zu unterlaufen. Zuletzt führt ihn das für Lateinamerika zuständige Südliche Kommando der US-Streitkräfte als Sonderberater.

Manuel Rocha: Welches Problem könnte er bei Barrick Börsen-Chart zeigen lösen? Ein entscheidendes. Er soll dafür sorgen, dass der einzige neue Ertragsbringer des von Missmanagement erschütterten Konzerns den versprochenen Gewinn von 800 Millionen Dollar pro Jahr tatsächlich liefert. Das gewaltige Goldbergwerk Pueblo Viejo in der Dominikanischen Republik wird derzeit hochgefahren - gerade noch rechtzeitig, um den Aktienkurs zu stützen, der sich seit Juli erholt und sogar die jüngste Goldpreishausse überrannte.

Doch einen Mann wie Rocha als Landeschef in die Dominikanische Republik zu schicken, kommt einem Geständnis gleich: Dem Vorstand musste klar gewesen sein, dass ein Debakel droht, das ein normaler Branchenspezialist nicht verhindern kann.

Auf den Straßen wächst der Widerstand

Gerade begann im dominikanischen Parlament eine Debatte über Barricks Steuerbefreiungen, denn die neue Regierung muss sparen. Sie plant drastische Steuererhöhungen zulasten der Bevölkerung und heimischer Unternehmen, um die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Auf den Straßen wächst der Widerstand gegen Barrick zu einer Volksbewegung heran. Die einen fordern die vom Konzern versprochen Arbeitsplätze; Demonstrationen häufen sich, zuletzt wurden dabei Dutzende verletzt. Andere wollen die Goldmine ganz schließen lassen.

Ein Ex-General kündigte an, dafür eine Million Unterschriften zu sammeln; das wären 10 Prozent der Dominikaner. Die Nationale Umweltversammlung will gar den gesamten Bergbau stoppen und "im ganzen Land die Beweise dafür verbreiten, dass die Megaminen und der Einsatz von Zyanid für unsere Insel der ökologische und ökonomische Tod sind, auch wenn wir mit einem neuen Vertrag mehr einlösen".

"Wir müssen unsere Anstrengungen vervielfachen, Barrick und die anderen Minenkonzerne aus dem Land zu jagen und den Rocha dazu", sagt Domingo Abréu Collado, Koordinator der Organisation im Gespräch mit manager magazin online. "Unser Ziel ist, dass sich die gesamte Bevölkerung friedlich, aber entschlossen erhebt." Die Gegner meinen es ernst und sind nicht hilflos: Eine Mine von Xstrata Börsen-Chart zeigen, nicht weit von Barricks Standort im Bau, wurde vor wenigen Tagen aus Umweltschutzgründen erstinstanzlich von einem dominikanischen Gericht gestoppt.

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