02.10.2012
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Beratermarkt
"Krisenzeiten sind für uns Wachstumszeiten"

KPMG-Zentrale in Berlin: "Die Anforderungen werden komplexer, der Markt ist in Bewegung"
DPA

KPMG-Zentrale in Berlin: "Die Anforderungen werden komplexer, der Markt ist in Bewegung"

Mitten in der Euro-Krise schluckt die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG den Berater BrainNet und baut seine weltweite Beratung aus. KPMG-Vorstand Robert Gutsche und BrainNet-Mitgründer Christian Rast sprechen über die starken Veränderungen im Beratermarkt, die neue Balance bei KPMG - und warum sich der Kampf um Talente mit McKinsey und BCG verschärft.

mm: Die Übernahme eines Beratungsspezialisten wie BrainNet mit 300 Mitarbeitern an 14 Standorten weltweit ist auch für KPMG kein kleiner Deal. Was sind die Gründe für die Übernahme?

Gutsche: Wir wollen uns noch breiter aufstellen und unsere Kunden umfassend betreuen. Wir sind traditionell in den Disziplinen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Managementberatung sowie Transaktions- und Restrukturierungsberatung unterwegs: Die Kollegen von BrainNet ergänzen uns mit ihrem Beratungsangebot im Bereich Einkauf und Supply Chain Management hervorragend. Die Ende Juli abgeschlossene Übernahme war für uns ein logischer Schritt nach einer erfolgreichen Zusammenarbeit - sie hat das Ziel, unsere Kunden umfassend und ganzheitlich beraten zu können und sie auf diese Weise langfristig für uns zu gewinnen.

mm: Wie haben die Kunden reagiert?

Gutsche: Das Feedback ist positiv - schließlich reagieren wir mit der Expansion auch auf die gestiegenen Erwartungen der Unternehmen. Sie erwarten, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette vom Einkauf über Organisation bis zur Steuer bedienen und interdisziplinär arbeiten. Die Anforderungen für Unternehmen - und damit auch für uns - sind komplexer geworden: Man kann viele Aufgaben nur noch dann lösen, wenn man die einzelnen Disziplinen durchbricht und Projekte ganzheitlich angeht.

mm: Viele Kunden sehen KPMG immer noch vornehmlich als Prüfungsunternehmen …

Gutsche: … genau diese Wahrnehmung der Marke ändert sich jetzt. Wir sind breiter aufgestellt. Wir haben unser Leistungs-Portfolio für unsere Mandanten ergänzt - und wir wollen durch das breitere Angebot natürlich auch Neugeschäft erzeugen.

mm: Herr Rast, BrainNet war als Spezialist im Beratungsmarkt auf Wachstumskurs - warum verkauft man das Unternehmen in solch einer Phase an einen größeren Partner, statt selbst das Wachstum fortzusetzen?

Rast: Weil sich der Beratungsmarkt derzeit stark verändert. Vor allem die mittelgroßen Beratergesellschaften sind von einem starken Konsolidierungsprozess betroffen. Unser Schwerpunkt ist die Internationalisierung, und diesen können wir mit Hilfe von KPMG stärker vorantreiben. Außerdem kommen im Bereich Supply Chain Management - also bei Betrachtung der strategischen Themen Einkauf, Logistik und Produktion - immer mehr Fragen auf, die zum Beispiel auch die Bereiche Steuern und Recht betreffen. Diese Fragen können wir gemeinsam mit KPMG schneller lösen, unsere internationalen Kunden also gemeinsam besser bedienen.

mm: Sie müssen nicht nur die Kunden im Blick haben, sondern auch die Vorgaben aus Brüssel. Reagiert KPMG mit der strategischen Expansion auch auf die Forderungen von EU-Kommissar Barnier, Prüfung und Beratung künftig stärker voneinander zu trennen?

Gutsche: Es geht nicht darum, einen Bereich durch einen anderen zu ersetzen. Wir hatten in der Vergangenheit einen Schwerpunkt im Bereich Prüfung. Jetzt geht es um eine Ausbalancierung, also darum, eine neue Balance zwischen den Bereichen Prüfung, Steuerberatung und strategische Beratung zu finden. Für uns bleiben aber alle drei Bereiche gleich wichtig, unabhängig davon, wie die Vorgaben aus Brüssel letztendlich ausgestaltet sein werden. Die Qualität einer Wirtschaftsprüfung hängt im Übrigen auch von der Multi-Disziplinarität ab - wir gewinnen an Tiefe, wenn das Team in verschiedenen Disziplinen versiert ist.

Marlinghaus: Die Entscheidung, ein "Center of Excellence" zu gründen, das die Beratungsleistungen im Bereich Supply Chain Management weltweit unterstützt, hat auch nichts mit Brüssel zu tun. Diese Struktur dient dem Geschäft - wir wollen weltweit Wissen bündeln und die Voraussetzungen schaffen, dass wir innerhalb kurzer Zeit Wissen transferieren können. Das ist für Kunden entscheidend. BrainNet ist als global agierender Spezialist für Supply Chain Management gewohnt, Wissen international zu teilen - jetzt geht es darum, diesen Wissensaustausch in allen Beratungsdisziplinen hinzubekommen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel und wird ein anspruchsvoller Prozess.

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Zur Person

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    KPMG
    Robert Gutsche ist Mitglied des Vorstandes der KPMG AG. Er verantwortet als Bereichsvorstand Consulting das Beratungsgeschäft der KPMG in Deutschland.

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    Christian Rast, Mitgründer von BrainNet, ist Leiter des Global Center of Excellence Strategic Sourcing & Procurement von KPMG. Zuvor war er CEO der BrainNet-Gruppe.

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    Sven Marlinghaus verantwortet bei KPMG den Bereich Strategic Sourcing & Procurement in Deutschland und der Schweiz. Zuvor war er mehr als zehn Jahre Partner und Managing Director von BrainNet.

KPMG übernimmt BrainNet

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG hat im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz in Höhe von 1,2 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Wachstum von 1,2 Prozent. 2011 hat KPMG in Deutschland 1686 Mitarbeiter neu eingestellt. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs dadurch auf rund 8400 Beschäftigte, die an mehr als 20 Standorten in Deutschland präsent sind. Die Übernahme von BrainNet durch KPMG wurde im Juli 2012 abgeschlossen. Zuvor war BrainNet als internationale Beratung für Supply Chain Managemnt mit rund 300 Mitarbeitern an mehr als 20 Standorten weltweit aktiv. Der Umsatz von BrainNet lag zuletzt weltweit bei mehr als 65 Millionen US-Dollar.







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