Sonntag, 23. September 2018

Wachstumsprogramm Bertelsmann braucht Milliarden

Thomas Rabe: Der Bertelsmann-Chef will in der Branche wieder aufholen

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann will wachstumsstärker, internationaler und digitaler werden - ein Vorhaben, das Milliarden kosten dürfte. Woher das Geld kommen soll, ist allerdings noch unklar.

Gütersloh - Der neue Bertelsmann-Chef Thomas Rabe will Europas größten Medienkonzern mit Milliardenaufwand wieder auf Wachstumskurs trimmen. "Wir haben ein Wachstumsproblem. Wir wachsen nicht ausreichend", beschrieb der Manager am Donnerstagabend anlässlich einer Strategiekonferenz mit 500 Führungskräften die Situation des Konzerns. Um dies zu ändern, müssten die bestehenden Geschäfte umgebaut und gleichzeitig neue Geschäfte aufgebaut werden.

Für die Wachstumsoffensive benötige der Konzern jedoch zusätzliches Eigenkapital in Milliardenhöhe, sagte Rabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Es gebe viele Optionen für eine Kapitalaufnahme, betonte der Manager. Dazu zähle auch, Teile von Tochtergesellschaften zu verkaufen. Bertelsmann ist unter anderem mehrheitlich an der börsennotierten Senderkette RTL beteiligt.

Ein Börsengang des Medienkonzerns scheint wegen Bedenken der Gründerfamilie Mohn dagegen unwahrscheinlich. "Die Familie möchte Herr im eigenen Haus bleiben", sagte Rabe der Zeitung. Dabei spielten auch Bewertungsfragen eine Rolle: Als Konglomerat müsse Bertelsmann mit einem Wertabschlag rechnen.

Wachstumsschub in den Schwellenländer

Der Konzernchef will Bertelsmann breiter und internationaler aufstellen. Den Umsatzanteil in den Schwellenländern China, Indien und Brasilien von heute zwei bis drei Prozent will er in den nächsten Jahren verdoppeln, das Internetgeschäft deutlich ausbauen. "Unser Ziel ist, dass Bertelsmann stärker wachsen wird, sehr viel internationaler sein wird und vor allen Dingen digital führend", sagte Rabe zu den Plänen von Vorstand, Aufsichtsrat und Eigentümer für die nächsten fünf bis zehn Jahre.

Der Weckruf scheint überfällig. Denn die vergangene Dekade war für Bertelsmann in mancherlei Hinsicht ein verlorenes Jahrzehnt - geprägt von Umsatz- und Gewinnrückgängen. Die Entscheidung der Gründerfamilie Mohn, den belgischen Miteigentümer GBL aus dem Unternehmen herauszukaufen, bürdete dem Konzern einen hohen Schuldenberg auf und beschränkte seine strategischen Möglichkeiten.

Aufholjagd im Digitalgeschäft

Im Digitalgeschäft etwa hinkt der Medienkonzern inzwischen weit hinter Konkurrenten wie dem Axel-Springer-Verlag her. Hier will Rabe zur Aufholjagd ansetzen: etwa durch den Ausbau des E-Book-Geschäfts, durch Video-on-Demand-Angebote und mehr digitale Werbevermarktung. Auch im Musikrechtegeschäft, im Bildungsbereich sowie bei Dienstleistungen für E-Commerce-Anbieter und die IT-Industrie sieht der Konzern Wachstumschancen.

Finanzieren will Bertelsmann die Wachstumsoffensive teils aus dem laufenden Geschäft, teils aber auch durch die Aufnahme von Fremd- und Eigenkapital. Letzteres wurde für den Konzern seit der Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien leichter. Denn die neue Rechtsform erlaubt Bertelsmann die Aufnahme von Investoren, ohne die Macht der Gründerfamilie und der Bertelsmann-Stiftung zu beschneiden.

mihec/dapd

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