Freitag, 9. Dezember 2016

Neuer Finanzchef Metro-Mann soll WAZ-Mann werden

WAZ-Zentrale in Essen: Thomas Ziegler soll als neuer Finanzchef die Geschäftsführung der Zeitungsgruppe komplettieren

Die Essener Zeitungsgruppe WAZ, seit Anfang dieses Jahres unter vollständiger Kontrolle der Familie Funke, scheint einen frischen Mann für die letzte freie Stelle in ihrer Geschäftsführung gefunden zu haben: Dem Vernehmen nach handelt es sich um Thomas Ziegler, den Chef von Metro Properties, der Immobilientochter des Handelskonzerns Metro.

Hamburg - Ziegler soll die Finanzgeschäfte des Essener Medienkonzerns (u.a. "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung") führen, dessen Leitung sich bislang Christian Nienhaus (52) und Manfred Braun (59) teilen. Schon am heutigen Freitag könnten, wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht, die Verträge unterschrieben werden.

Monatelang hatten die Sonderermittler von Egon Zehnder mit Lupe, Sieb und Filter das Land durchkämmt, um einen geeigneten Kandidaten für die (neugeschaffene) Position des "Chief Financial Officer" zu finden. Die Eignerfamilie Funke war der festen Überzeugung, dass die WAZ-Gruppe, die mit einem Umsatz von knapp einer Milliarde Euro zu den größten Regionalzeitungsverlagen Europas gehört, durchaus noch einen ebenso erfahrenen wie hartgesottenen Großrechner in ihrer Führung benötige.

Besondere Branchenkenntnisse standen nicht im Anforderungsprofil - nur gewieft, ausgekocht und erfinderisch sollte der Neue sein. Denn auf dem Gebiet der Finanzakrobatik hat die WAZ einen Ruf zu verteidigen.

Wann Ziegler seinen Dienst antritt, ist nicht bekannt. Noch unterliegt sein Transfer strengster Geheimhaltung. Bekannt ist freilich der Beweggrund für den angestrebten Wechsel. Metro Properties zählt zwar zu den größten deutschen Immobilieninvestoren, die Firma disponiert über 687 Handelsimmobilien und 153 weitere Häuser mit einem Buchwert von etwa 8 Milliarden Euro. Doch so viel Abwechslung wie das Mediengeschäft, in dem es seit Jahren drunter und drüber geht, bietet es mitnichten.

Vor allem aber, erzählt man sich im Revier, empfand es der Mann als Akt der Beschämung sowohl wie als schiere Ungerechtigkeit, dass der freigewordene Posten des Finanzvorstands bei der Metro (nach dem Aufstieg des bisherigen CFO Olaf Koch zum Vorstandsvorsitzenden Anfang Januar) nicht mit ihm, Ziegler, selbst, sondern statt dessen mit einem anderen (Mark Frese, bis dahin Finanzchef der Cash&Carry-Märkte Europa,. Nahost, Nordafrika) besetzt wurde.

Die Familie Funke, die lange Zeit eine CEO-Konstruktion für die WAZ-Gruppe favorisiert hatte, also einen starken Anführer, dem sich die Kollegen unterzuordnen hätten, hält inzwischen eine Doppelspitze Nienhaus-Braun mit einem machtvollen, vielleicht sogar ebenbürtigen CFO für die bessere Lösung. Der Umbau des Medienhauses - ein Filzwerk aus sieben Obergesellschaften mit identischen Gesellschaftern und Geschäftsführern - wird unterdes vorangetrieben und nach heutigem Stand in eine börsenfähige Kommanditgesellschaft auf Aktien ummodelliert.

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