Dienstag, 23. August 2016

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Fracking Bund stoppt Gasbohrpläne in Deutschland

Geächtete Technik: Bürgerinitiative gegen Fracking von ExxonMobil im Emsland

Die zuständigen Bundesminister haben sich darauf geeinigt, vorerst keine Bohrungen nach unkonventionellen Gasreserven in Deutschland zuzulassen. Der Fracking-Boom findet woanders statt: Der deutsche Chemiekonzern BASF plant wegen der neuen Technik eine Großanlage in den USA.

Hamburg - Die Bundesregierung will einem SPIEGEL-Bericht zufolge vorerst keine Erdgasförderung aus Schiefergestein in Deutschland zulassen. Darauf hätten sich die zuständigen Ressortchefs, Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), geeinigt, berichtete das Hamburger Nachrichten-Magazin.

Die Bundesminister wenden sich damit gegen die Pläne von Energiekonzernen, die insbesondere in Nord- und Ostdeutschland auf in Gestein eingeschlossene Erdgasvorkommen gestoßen sind. Um an das Gas heranzukommen, muss das Gestein durch sogenanntes Fracking mit einer Mischung aus heißem Wasser, Sand und teils giftigen Zusatzstoffen aufgebrochen werden. In den betroffenen Regionen haben sich aus Sorge vor Grundwasserverschmutzungen bereits einige Bürgerinitiativen gegründet.

Aus Sicht des Wirtschaftsministers sind beim "Fracking" noch viele Fragen offen. Diese sollen auf Basis eines unabhängigen wissenschaftlichen Gutachtens geprüft werden. Erst auf Basis der Ergebnisse des Gutachtens sei eine genaue Bewertung möglich, hieß es auf Anfrage aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Der Chemiekonzern BASF Börsen-Chart zeigen will derweil mit einer neuen Großanlage seinen Geschäften in Nordamerika zusätzlichen Schwung verleihen. Bis zum Jahr 2020 will das weltgrößte Chemieunternehmen im Schnitt seinen Umsatz in Nordamerika jährlich um 5 Prozent erhöhen, wie Nordamerika-Chef und Konzern-Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel am Freitag anlässlich der Vorstellung der neuen Nordamerika-Zentrale in Florham Park in New Jersey in Aussicht stellte.

Dazu soll eine neue große Produktionsstätte für Ameisensäure im US-Bundesstaat Louisiana beitragen, die im zweiten Quartal 2014 in Betrieb geht. Mit der Anlage will BASF unter anderem von der wachsenden Nachfrage nach Schiefergas in Nordamerika profitieren. Denn die Chemikalie ist ein wichtiger Bestandteil bei der Gasgewinnung. Die neue Anlage soll eine jährliche Kapazität von über 50.000 Tonnen besitzen. Sie wäre die bislang einzige Anlage ihrer Art in Nordamerika.

Die Förderung von Schiefergas gilt als zukunftsträchtig. Nach Einschätzung der Internationalen Energie Agentur (IEA) wird das Wachstum der weltweiten Gasproduktion bis 2035 zu rund 40 Prozent aus unkonventionellen Lagerstätten wie Einlagerungen in Schiefer stammen. Neben dem Einsatz in der Schiefergasproduktion wird Ameisensäure auch zum Schutz von Futtermitteln, bei der Herstellung von Enteisungsmitteln und zum Entkalken verwendet.

Pläne zum Bau eines Gascrackers in Nordamerika habe BASF nicht, sagte Engel. In solchen Großanlagen werden wichtige chemische Grundstoffe gewonnen. BASF setze mehr auf komplexe Chemikalien in seinen petrochemischen Basisanlagen (Crackern). Rivalen wie Dow Chemical Börsen-Chart zeigen hatten im Zuge der wachsenden Erdgasgewinnung aus Schiefer in Nordamerika und vergleichsweise niedriger Erdgaspreise angekündigt, neue Ethylenanlagen zu errichten. BASF nutzt in seinen Crackern Naphtha (Rohbenzin) als Ausgangsbasis. Dabei profitiert BASF davon, dass der Konzern im Unterschied zu seinen Wettbewerbern eine eigene Öl- und Gasparte besitzt und beispielsweise in großem Stil an der Erdölproduktion in Libyen beteiligt ist.

ak/dapd/rtr

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