Sonntag, 19. April 2015

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Rohstoffversorgung Industrie besiegelt Rohstoffallianz

Die Rohstoffallianz will sich an der Erschließung und Ausbeutung von Rohstoffvorkommen in aller Welt beteiligen

Die deutsche Industrie steckt ihr Terrain im Wettrennen um die weltweite Rohstoffversorgung ab: Zehn deutsche Großkonzerne haben sich nun offiziell zu einer Allianz zusammengeschlossen. Einige Finanzfragen sind aber noch nicht im Detail geklärt.

Berlin - Die Versorgung der deutschen Industrie mit Rohstoffen aus aller Welt ist das Hauptanliegen der Rohstoffallianz, die jetzt auch offiziell als GmbH eingetragen ist. In ihr haben sich bisher zehn Großkonzerne zusammengeschlossen, wie die Geschäftsführung am Dienstag in Berlin erläuterte.

Die Gesellschaft will sich sowohl bei der Erschließung und Ausbeutung von Rohstoffvorkommen in aller Welt engagieren als auch bei der Versorgung auf internationalen Märkten gemeinsam auftreten, um "die Abnahme zu bündeln", wie es hieß.

"Wir sind nicht nur am finanziellen Erfolg von Minen interessiert; wir wollen den Zugriff auf die Rohstoffe", hieß es zur Motivation der Gesellschaft. Die zehn Gründungsunternehmen kommen im wesentlichen aus Auto-, Chemie- und Schwerindustrie: Aurubis Börsen-Chart zeigen, BASF Börsen-Chart zeigen, Bayer Börsen-Chart zeigen, Bosch, Rockwood Lithium, Evonik, Georgsmarienhütte, Stahlholding Saar, ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen und Wacker Chemie Börsen-Chart zeigen.

Als weitere Mitglieder stehen BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen bereits fest. Im Vorfeld wurden Gespräche mit etwa 20 Interessenten geführt. Voraussetzung für eine Mitgliedschaft seien Aktivitäten des jeweiligen Unternehmens in Deutschland.

Die Motivation der Autoindustrie erklärte die Rohstoffallianz damit, dass zwar die Hersteller direkt keinen nennenswerten Bedarf an den in Rede stehenden Rohstoffen haben, wohl aber ihre Zulieferer, an die die gewonnenen Rohstoffe dann weitergegeben würden.

Milliardenschwerer Fonds geplant

Finanziert werden sollen die Beteiligungen teils durch Eigeninvestitionen, teils durch einen noch zu schaffenden Fonds in Milliardenumfang, aber auch durch "außenwirtschaftliche Instrumente des Bundes". Dazu zählen etwa Fördermittel für Industrie-Ansiedlung in Entwicklungsländern.

Im Fokus der Rohstoffallianz liegen aber auch Länder wie Kanada oder Australien. Wo es nötig sei, etwa in Ländern mit staatlichen Handelsschranken, werde auch "die Flankierung durch die Politik" gesucht, zum Beispiel in Form von Länderpartnerschaften wie jüngst mit der Mongolei oder Kasachstan.

Als Wettbewerber betrachtet die Allianz halbstaatliche Industrieverbände, wie sie in Japan oder Südkorea existieren, die mit Planzielen und Fördermitteln ihren Ländern ebenfalls Rohstoffe sichern sollen, aber auch die multinationalen Rohstoffkonzerne. Staatsunabhängige Vereinigungen wie in Deutschland seien auch in Frankreich, den Niederlanden und sogar in Österreich im Gespräch.

Die Mitglieder bündeln ihre jeweils spezifischen Interessen in Rohstoffclustern, "weil nicht jedes Mitglied an jedem Rohstoff interessiert ist und kein Interesse daran hat, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die für ihn keinen Gewinn versprechen". Aus diesen Gruppen heraus sollen dann konkrete Projekte angegangen werden; mit ersten Abschlüssen wird für das kommende Jahr gerechnet. Als Beispiele für Rohstoffe wurden Seltene Erden, Kokskohle, Graphit oder Wolfram genannt.

Geschäftsführer des Unternehmens ist der frühere Eon-Manager Dierk Paskert. Die GmbH soll langfristig profitabel arbeiten.

wed/dapd

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