Samstag, 3. Dezember 2016

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Maschinenbau Chinas Aufstieg mit deutscher Hilfe

Baumaschinen von Sany: Verdrängungswelle gegen deutsche Platzhirsche

Der Maschinenbau gilt als Herz der deutschen Industrie. In kürzester Zeit haben sich aber chinesische Wettbewerber vorgeschoben und erobern nun sogar westliche Märkte. Auf der Hannover Messe wollen sie zeigen, dass sie auch technisch mithalten können.

Hamburg - Das deutsche Unternehmen Liebherr hat sich um die chinesische Industrie verdient gemacht. Der Hausgerätehersteller Haier Börsen-Chart zeigen, als wertvollste Marke Chinas gerühmt, hat seinen Namen vom schwäbischen Partner entlehnt (aus dem Namensteil "Herr" wurde in der chinesischen Umschrift "Haier").

Auch in der Baumaschinenbranche, wo Liebherr zu Hause ist, hat Wettbewerber XCMG aus dem ostchinesischen Xuzhou als Lizenzfertiger von den Deutschen gelernt.

Nun sind die Zöglinge gereift - und expandieren nach Deutschland. Während Haier in Nürnberg an die Tradition der Produktion weißer Ware anknüpft, hat XCMG im vergangenen Jahr die Krefelder Firma Fluitronics übernommen und steht mehreren Medienberichten zufolge vor dem Kauf des Betonpumpenherstellers Schwing aus Herne.

Den anderen deutschen Meister dieses Fachs, das nahe Stuttgart angesiedelte Familienunternehmen Putzmeister, kontrolliert schon seit Januar der chinesische Marktführer Sany, der zugleich einen weiteren deutschen Standort im rheinischen Bedburg aufbaut. Im neuen manager magazin (ab 20. April im Handel) lesen Sie dann auch einen großen Report über das wachsende Weltmarktpotenzial, die Stärken und Schwächen der besten chinesischen Unternehmen. Chinas Baumaschinenhersteller haben hierzulande zuletzt für besonderes Aufsehen gesorgt.

"Chinesische Hersteller haben Anteil am Weltmarkt mehr als verdoppelt"

"Chinesische Baumaschinenhersteller haben in den vergangenen drei Jahren ihren Anteil am Weltmarkt mehr als verdoppelt", heißt es in einer aktuellen Studie der Beratungsfirma Oliver Wyman. Gerade die Krise, die den etablierten westlichen Firmen Auftragseinbrüche bescherte, habe für ein "erdrutschartiges Ausmaß der Verschiebung" gesorgt.

Zwar liegen die größten deutschen Maschinenbauer nach Umsatz noch vor den fernöstlichen Herausforderern. In Summe haben die Chinesen ihnen aber schnell den Rang abgelaufen.

Die Baumaschinenbranche führt diesen Aufstieg an. In der "Heatmap" der Wyman-Berater steht sie zusammen mit Textilmaschinenherstellern und Metallurgieausrüstern an erster Stelle der Segmente, in denen China die westlichen Platzhirsche herausfordert. In diesen Sparten vereine sich eine hohe strategische Bedeutung für China mit einem bereits hohen Marktanteil.

Dahinter folgen Schiffbau, Windkraftanlagen und Werkzeugmaschinen, wo die Chinesen erst einen mittleren Marktanteil erreicht haben, sowie die Photovoltaik, die geringere strategische Bedeutung habe. Weniger gefährdet seien die etablierten Hersteller von Verpackungs- oder Papiermaschinen und Industrieöfen.

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