Sonntag, 20. Januar 2019

Antibaby-Pillen Bayer schließt Millionenvergleiche

"Pille" mit Nebenwirkungen: In den USA muss Bayer nun reagieren

Der Bayer-Konzern hat im Streit um mögliche Thrombose-Gefahren seiner Anti-Babypillen laut einem Agenturbericht weitere Vergleiche in den USA geschlossen. Mindestens 110 Millionen Dollar werden demnach an die Klägerinnen gezahlt.

Frankfurt - Bayer hat einem Agenturbericht zufolge im Streit um mögliche Thrombose-Gefahren seiner Anti-Babypillen weitere Vergleiche in den USA geschlossen. Der Konzern werde zur Beilegung von rund 500 Klagen mindestens 110 Millionen Dollar (83,5 Millionen Euro) zahlen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf Personen, die mit dem Vergleich vertraut sind. Bayer Börsen-Chart zeigen habe zugestimmt, pro Fall im Schnitt 220.000 Dollar zu zahlen.

Die Vereinbarungen seien erzielt worden, nachdem ein Bundesrichter in Illinois einen Prozesstermin verschoben habe. Einem Mediator sollte so Zeit gegeben werden, Vergleiche auszuhandeln. Bayer wollte den Bericht nicht bestätigen. Eine Sprecherin in Berlin bekräftigte lediglich, dass Bayer in dem Streit weiterhin auch Vergleichsvereinbarungen erwägen werde.

Künftig schärfere Warnhinweise

Erst am Mittwoch hatte Bayer angekündigt, in den USA die Warnhinweise in den Beipackzetteln seiner Antibaby-Pillen zu verschärfen. Künftig soll darauf hingewiesen werden, dass Frauen mit ihren Ärzten Risiken und Vorzüge der Pillen mit Blick auf die Gefahr möglicher Venenthrombosen abwägen sollten. Zudem werde davor gewarnt, dass das Thromboserisiko bei den Bayer-Pillen im Vergleich zu anderen Verhütungsmitteln höher sein könnte.

Venenthrombosen werden durch Blutgerinnsel in den Gefäßen ausgelöst. Wandern sie in die Lunge oder in das Gehirn, kann es zu gefährlichen Embolien und Schlaganfällen kommen. Die Anbtibaby-Pillen gehören zu den umsatzstärksten Präparaten der Pharmasparte. Mit den vom Zukauf von Schering übernommenen Verhütungsmitteln Yaz und Yasmin setzte der Konzern 2011 weltweit immerhin 1,07 Milliarden Euro um.

Die Auseinandersetzung um Gefahren von Drospirenon-haltigen Antibaby-Pillen, zu denen auch die Bayer-Mittel Yaz und Yasmin gehören, beschäftigt in den USA schon seit einigen Jahren die Gerichte. Bayer-Chef Marijn Dekkers hatte Ende Februar auf der Bilanzpressekonferenz gesagt, der Konzern habe mit 170 Klägerinnen Vergleiche ohne Anerkennung einer Haftung geschlossen. Weitere Vergleiche würden von Fall zu Fall in Betracht gezogen, kündigte Dekkers an. Bis zum 1. Februar war Bayer in den USA mit etwa 11.300 Klagen von Frauen konfrontiert, die den Konzern für erlittene Gesundheitsschäden haftbar machen wollen.

krk/dpa

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung