Samstag, 26. Mai 2018

Dax-Geflüster Maschinenbauer gegen den Rest der Welt

Der deutsche Maschinenbau: Nach dem Comeback kommt der Kampf
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DPA

Was die deutschen Autohersteller schon vor Jahren schafften, muss jetzt dem Maschinenbau gelingen: Die Eroberung der wachstumsstarken Schwellenländer. Deutsche Ingenieurskunst reicht dafür allerdings nicht aus - das Gros der Kunden hat weitere Wünsche.

Hamburg - Die Liste der Tochtergesellschaften der Krones AG Börsen-Chart zeigen ist lang. Mehr als 40 Unternehmen stehen darauf, verteilt über den ganzen Globus, von Venezuela bis Thailand, von den USA bis nach Kenia. Auch in den wichtigen BRIC-Staaten Brasilien, Russland, China und Indien ist Krones längst vertreten.

Der im Midcap-Index MDax Börsen-Chart zeigen notierte Weltmarktführer in der Herstellung von Getränkeabfüllanlagen mit Sitz im oberpfälzischen Neutraubling hat die Zeichen der Zeit also offenbar erkannt: Auch der deutsche Maschinenbau muss sich zunehmend internationalisieren um vor allem das Wachstum der Schwellenländer nicht zu verpassen. Und er wird sich künftig sehr flexibel auf die Anforderungen der lokalen Märkte fernab der Heimat einstellen müssen, am besten mit eigener Präsenz vor Ort.

Schon in der Vergangenheit haben die Maschinenbauer ihre Umsätze in nicht europäischen Ländern erheblich gesteigert. Das Vehikel dazu waren allerdings vor allem florierende Exporte. Der Anteil Asiens etwa stieg laut Branchenverband VDMA in den vergangenen zehn Jahren von 17 Prozent auf rund 30 Prozent. Gleichzeitig ging das EU-Geschäft von mehr als 50 Prozent auf 39 Prozent zurück. "Diese Entwicklung dürfte sich - wenn auch verlangsamt - fortsetzen", sagt Ulrich Ackermann, Leiter der Abteilung Außenwirtschaft beim VDMA.

Damit liegt die Branche im Trend der gesamten deutschen Wirtschaft, die sich ebenfalls zunehmend in Wachstumsmärkte orientiert. Erst am Donnerstag meldete der Düsseldorfer Verpackungsspezialist Gerresheimer Börsen-Chart zeigen den Kauf des indischen Unternehmens Neutral Glass, eines Herstellers von Verpackungen für die Pharmaindustrie. Der Deal sei wichtig, um die Expansion in den rasch wachsenden Schwellenländern weiter voranzutreiben, betonte Gerresheimer-Chef Uwe Röhrhoff.

Die Autobauer haben vorgemacht wie es geht

Ebenfalls in dieser Woche verkündete der Windturbinenhersteller Nordex den ersten Großauftrag aus China. Bis Ende 2012 wird das Rostocker Unternehmen einen 30-Megawatt-Windpark nahe der Küste bei Zhongcuo mit Windrädern ausstatten. Die dafür vorgesehenen 2,5-Megawatt-Anlagen will Nordex eigens in der Volksrepublik herstellen.

Die Beispiele lassen es erahnen: Der Export allein dürfte künftig nicht mehr ausreichen. Die Unternehmen sind gefordert, sich mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten vor Ort und den lokalen Präferenzen der Kundschaft stärker auseinanderzusetzen und flexibler darauf zu reagieren, sagen Fachleute.

"Die Autobauer haben schon vor Jahren vorgemacht wie es geht", sagt etwa Markus Achtert von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. "Inzwischen sind die Hersteller und Konzerne schon lange mit lokaler Beschaffung, lokaler Produktion und Entwicklung in den BRIC-Ländern aktiv. Im mittelständisch geprägten Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist das nicht im gleichen Maße der Fall."

Unter Druck sieht der Experte vor allem die hiesigen Maschinenbauer. Deren Qualitätsprodukte mit dem Prädikat "Engineered in Germany" erfüllen laut Achtert zwar die hohen Ansprüche der westlichen Industriewelt. In aufstrebenden Ländern jedoch gelten nach Beobachtung des Fachmanns mitunter andere Standards. Das Zauberwort lautet dort "Middle Segment", sagt Achtert.

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