Donnerstag, 26. Mai 2016

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Dax-Geflüster Stahlkocher in Rohstoffnot

Mittal, Tata, Mordaschow: Diese Namen beherrschen die Stahlindustrie
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dapd

Ressourcenknappheit, steigende Preise, wachsende Marktmacht Chinas - Stahlfirmen wie dem Dax-Konzern ThyssenKrupp macht die Beschaffung von Erz und Kokskohle immer mehr zu schaffen. Weltweit ist deshalb Bewegung in die Branche gekommen.

Hamburg - Die weltweite Stahlnachfrage boomt. Getrieben durch die Industrialisierung der Schwellenländer dürfte die Produktion bis 2025 um 4 Prozent pro Jahr auf 2,56 Milliarden Tonnen steigen, erwartet die Wirtschaftsberatung PwC. Angeheizt wird der Markt vor allem von China und Indien, so die Experten. Allein die chinesische Nachfrage werde sich bis 2025 fast verdoppeln und dann bei knapp 1,18 Milliarden Tonnen pro Jahr liegen - ein globaler Marktanteil von 46 Prozent. Indien kann laut PwC bis dahin einen Marktanteil von 8 Prozent erreichen.

Für Stahlhersteller wie die deutschen Konzerne ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen oder Salzgitter Börsen-Chart zeigen sind das einerseits erfreuliche Aussichten. Andererseits wird die Rohstoffversorgung, die Beschaffung vor allem von Eisenerz und Kokskohle also, für sie zunehmend zum Problem.

Zum einen ist Kokskohle in der erwünschten Qualität knapp - dies führt zu Preissteigerungen. Die Vorkommen liegen vor allem in China und Australien. Auf den Weltmarkt gelangt jedoch inzwischen beinahe ausschließlich Material aus Down Under, denn die Chinesen verbrauchen ihre Förderung weitgehend selbst.

Zum anderen haben sich die Gegebenheiten auf dem Weltmarkt für Eisenerz in den vergangenen Jahren dramatisch geändert. Auch dort spielt die enorme Nachfrage aus China eine entscheidende Rolle. "2011 hatte der Weltmarkt für Eisenerz ein Volumen von 1,1 Milliarden Tonnen", sagt Erwin Bronk, Partner und Stahlexperte bei PwC. "Etwa 600 Millionen Tonnen davon wurden in China verarbeitet."

Neue Regeln auf dem Erzmarkt - Kalkulationssicherheit geht verloren

Die Krux dabei: Laut Bronk verfügen die Chinesen über wenn auch minderwertigere, so doch ausreichend Vorkommen, um ihren Bedarf mit eigenen Minen zu decken. "China könnte je nach Bedarf und Marktlage entscheiden, wie viel der landeseigenen Erzproduktion selbst verbraucht wird und wie viel auf den Weltmarkt geht", so der Fachmann. "Dadurch gewinnt die ohnehin schon erhebliche Marktmacht weiter an Brisanz."

Folge: Obwohl Erz eigentlich geologisch nicht knapp ist, ist zu erwarten, dass China die Preise kurzfristig steuern kann. Erst 2015 rechnet PwC damit, dass weltweite Kapazitätserweiterungen bei der Eisenerzförderung zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage führen.

Stahlkonzerne müssen sich außerdem noch mit einem weiteren Problem herumschlagen: Die großen Lieferanten von Eisenerz haben vor wenigen Jahren ihre Absatzstrategie geändert. Anstatt mit ihren Kunden langfristige Lieferverträge zu schließen, orientieren sie sich jetzt am Handel auf den Spotmärkten.

Der Sinneswandel von Weltmarktführern wie Vale aus Brasilien sowie den australisch-britischen Konkurrenten Rio Tinto Börsen-Chart zeigen und BHP Billiton Börsen-Chart zeigen hat für Stahlfirmen gravierende Folgen: Die Volatilität der Beschaffungskosten steigt, die Kalkulationssicherheit geht verloren.

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