Freitag, 17. August 2018

Dax-Geflüster Stahlkocher in Rohstoffnot

Mittal, Tata, Mordaschow: Diese Namen beherrschen die Stahlindustrie
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dapd

3. Teil: Probleme bei der Preisabsicherung mit Derivaten

Die Stahlkonzerne können zudem - zweiter Weg - versuchen, Preisschwankungen durch den Einsatz von Finanzderivaten abzufedern. "Nicht nur Stahl, sondern schon sein Hauptrohstoff Eisenerz wird verstärkt an der Börse gehandelt", sagt PwC-Stahlexperte Ingo Schill.

Tatsächlich hat das Handelsvolumen solcher Derivate in jüngerer Zeit enorm zugenommen. Einer Aufstellung von PwC zufolge verzeichnete das Geschäft mit Eisenerz-Swaps an der Börse in Singapur, dem wichtigsten Handelsplatz dafür, seit 2009 ein Plus von 700 Prozent. Der Baustahlmarkt an der London Metal Exchange legte seit 2009 um fast 600 Prozent zu.

Das Problem ist jedoch, dass sich dieses Wachstum auf sehr niedrigem Niveau abspielt. Während bei anderen Rohstoffen - etwa Kupfer oder Öl - die Derivatevolumina jene im physischen Handel um ein Vielfaches übersteigen, kommen die Handelsgrößen bei Stahl- und Erzderivaten bislang nur auf einen Bruchteil der realen Geschäfte.

Experten sind daher noch skeptisch. "Wir raten vom Einsatz von Derivaten zur Preisabsicherung ab", sagt PwC-Mann Bronk. "Bei der geringen Liquidität der Märkte überwiegen die Risiken, die mit einem solchen Geschäft verbunden sind, derzeit noch gegenüber den Chancen."

Zu wenig Liquidität am Derivatemarkt

Auch Rohstoffanalyst Daniel Briesemann von der Commerzbank hält die Derivatemärkte noch für zu klein für größere Transaktionen. "Die drei großen Eisenerzanbieter Vale, BHP und Rio Tinto haben es gar nicht nötig, sich auf diesem Markt zu engagieren", sagt er. "Die werden ihr Erz auch so los."

Bleibt für die Stahlkonzerne der dritte Weg: Durch Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) holen sie zunehmend die Erz- und Kokskohleversorgung ins eigene Haus. Die Entwicklung des M&A-Marktes in der Branche dokumentiert das. Das Transaktionsvolumen dort stieg im vergangenen Jahr um 56 Prozent auf 40,7 Milliarden US-Dollar, hat PwC ermittelt. Für das laufende Jahr erwarten die Experten noch einmal ein Plus von 7 bis 8 Prozent. Bereits 2010 hatte das M&A-Geschäft in der weltweiten Stahl- und Metallindustrie um mehr als 70 Prozent zugelegt.

Als wichtiges Transaktionsmotiv nennt PwC die Sicherung von Rohstoffressourcen, insbesondere von Eisenerz und Bauxit. Ablesen lässt sich das besonders gut an den grenzüberschreitenden Deals, so die Fachleute. Denn die Produzenten von Stahl oder Aluminium sitzen in der Regel in der Nähe ihrer Abnehmer, beispielsweise der Automobilindustrie also. Die Rohstoffgewinnung dagegen findet häufig am anderen Ende der Welt statt, im Falle von Eisenerz neben China vor allem in Brasilien, Australien, Russland oder Indien.

Und die Steigerung des M&A-Volumens im internationalen Bereich erscheint tatsächlich signifikant: Der Gesamtwert der Deals mit ausländischem Beteiligungsziel wuchs 2011 um beinahe 100 Prozent auf rund 24,4 Milliarden US-Dollar, so PwC. Im Krisenjahr 2009 kam es sogar nur zu Transaktionen im Wert von 4,4 Milliarden Dollar.

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