Samstag, 17. November 2018

Manroland Insolvenzverwalter Schneider gilt als "Erhalter" 

Werner Schneider: 6500 Arbeitsplätze im Dauerkrisenunternehmen Manroland bedroht

Insolvenzverwalter standen lange in dem Ruf der Leichenfledderei. Doch der Betriebswirt Werner Schneider hat das Image des Erhalters. Die Rechtsordnung lässt immer mehr Spielraum für eine Fortführung des Unternehmens - wenn die Banken mitspielen.

München - Er ist einer der prominentesten. Der Insolvenzverwalter Werner Schneider aus Neu-Ulm, der jetzt bei Manroland zum vorläufigen Verwalter bestellt worden ist, gilt in der Branche als erfahren und erfolgreich. Seit drei Jahrzehnten ist er im Geschäft und fungierte auch als Sprecher des so genannten Gravenbrucher Kreises, in dem die Insolvenzverwalter in Deutschland zusammengeschlossen sind.

"Schneider ist als Fortführer bekannt", sagte einmal Michael Pluta über ihn, einer der Ulmer Konkurrenten Schneiders. Er sei ein "wirtschaftlicher Mensch", eben kein Jurist, sondern Betriebswirt. Als solcher richte er sein Augenmerk immer auf die Chancen, ein notleidendes Unternehmen am Leben zu erhalten, so Pluta über Schneider.

Schneiders bisher spektakulärster Fall war die Pleite der Walter Bau AG (Dywidag, Heillit+Wörner, Züblin). Das operative Geschäft verkaufte er 2005 an den österreichischen Baukonzern Strabag. Dass die Insolvenz den Verwalter immer noch beschäftigt, erfuhr die Öffentlichkeit in diesem Sommer: Schneider ließ das Flugzeug des Thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn am Münchener Flughafen kurzerhand beschlagnahmen und für einen Monat festhalten, weil das Land noch Schulden bei dem Augsburger Bauunternehmen hatte. Erst als eine Garantiezahlung von 38 Millionen Euro auf einem Treuhandkonto einging, durfte die Boeing 737 weiterfliegen. Seitdem umweht den seriösen Verwalter der Hauch des Draufgängertums.

Zerschlagung, Verkauf, Abwicklung

Pragmatisch zeigte er sich 2004 beim vertrackten Insolvenzverfahren des Ulmer Unternehmens Kögel AG, einem Hersteller von Anhängern und Aufbauten für Lastwagen. Eine zunächst geplante Insolvenz in Eigenverwaltung scheiterte. Das operative Geschäft übertrug Schneider zähneknirschend an eine Investorengruppe rund um Thomas Haffa, den Gründer des skandalumwitterten Medienunternehmens EM.TV. So gingen die Aktionäre zwar leer aus, doch blieben 700 Arbeitplätze in Deutschland erhalten. Doch 2009 musste Kögel ein weiteres Mal Insolvenz anmelden. Schneiders Kanzlei-Partner Arndt Geiwitz verkaufte Kögel an den Augsburger Mittelständler Humbaur.

Zerschlagung, Verkauf, Abwicklung - das ist noch immer die vorherrschende Realität bei deutschen Firmenpleiten. Dabei existiert in Deutschland - nach dem Vorbild des amerikanischen Chapter 11 - schon seit 1999 die Möglichkeit, bei einer drohenden Schieflage frühzeitig einen Insolvenzplan zu erstellen, aus dem hervorgeht, wie das Unternehmen wieder Tritt fassen kann.

Dies geschieht normalerweise im Einvernehmen mit den Gläubigern. Der Amtsrichter kann dann die Fortführung des Unternehmens genehmigen - unter Umständen sogar in "Eigenverwaltung". In diesem Fall stellt das Gericht dem Management nur einen Sachwalter zur Seite, der ein prüfendes Auge darauf hat, wie die Schulden umstrukturiert und frische Mittel eingeworben werden. Das Ziel lautet: die Zerschlagung verhindern. Jetzt ist das deutsche Insolvenzrecht sogar nochmals weiter in Richtung Sanierung gedreht worden: Ende vergangener Woche billigte der Bundesrat eine weitere Reform der Insolvenzordnung, die noch stärker in diese Richtung geht: frühzeitige Insolvenz mit dem Ziel der Erhaltung.

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